Die Wunschlösung

Jupp Heynckes: Die Vereinsspitze um Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge will den Altmeister halten. Dieser verweist jedoch stets auf die nur bis Saisonende geltende Vereinbarung. Zuletzt legte Heynckes jedoch Wert darauf, nie gesagt zu haben, „dass ich am 30. Juni aufhöre“. Nur eine Nebelkerze? Raum für Spekulationen bleibt in jedem Fall. Dennoch ist eine Rückkehr auf seinen Bauernhof in Schwalmtal wohl das realistischste Szenario für den 72-Jährigen. Viel spricht eigentlich nicht dafür, sich in gesetzterem Alter noch ein weiteres Jahr den Stress auf der Münchner Trainerbank anzutun.

Heiße Kandidaten

Thomas Tuchel: Seit der Entlassung von Carlo Ancelotti gilt der taktikbesessene Schwabe quasi dauerhaft als Top-Kandidat beim FCB. Die Frage, weshalb man den vereinslosen und deshalb verfügbaren Tuchel nicht bereits im Oktober anstellte, drängt sich jedoch noch immer auf. Sportdirektor Hasan Salihamidzic bestätigte zuletzt, sich über den streitbaren Ex-BVB-Coach erkundigt zu haben. Kontakt soll schon seit geraumer Zeit bestehen. Hoeneß ist aber wohl nicht restlos überzeugt vom 44-Jährigen, dem Schwächen im Bereich der Menschenführung nachgesagt werden. Mit seiner am vergangenen Montag getätigten Aussage vor Gericht über den Anschlag auf den Mannschaftsbus der Dortmunder, könnte für Tuchel ein Stein auf dem Weg nach München aus dem Weg geräumt worden sein. Als amtierender Bayern-Trainer hätten seine kritischen Aussagen über Hans-Joachim Watzke in einem anderen Licht gestanden.

Ralph Hasenhüttl: Eigentlich hatte der Österreicher die Aufgabe bei den Bayern für sich selbst noch als zu groß befunden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bayern jemanden haben wollen, der so wenig Erfahrung auf internationalem Niveau hat wie ich“, meinte der 50-Jährige noch im Dezember. Der jüngste 2:1-Erfolg seines Teams RB Leipzig gegen die Bayern dürfte jedoch Eindruck hinterlassen haben. Zudem ist eine Vertragsverlängerung über 2019 hinaus bei den Roten Bullen alles andere als sicher, erste Diskrepanzen zeichnen sich ab. Zusätzlich hat der ehemalige Spieler der Bayern-Amateure mit seinem damaligen Trainer Hermann Gerland einen prominenten Fürsprecher im Verein. Ob Hasenhüttls Pressing- und Umschaltstil aber maßgeschneidert ist für die an Positionsspiel und Ballbesitz gewöhnten Bayern-Stars, ist unklar.

Außenseiter

Mauricio Pochettino: Rummenigge hatte bereits vor Wochen betont, dass der FCB künftig weiterhin einen deutschsprachigen Trainer an der Seitenlinie haben will. Dennoch wurde Kontakt zu Pochettino aufgenommen, wie neben Dietmar Hamann nun auch die ‚Sport Bild‘ zu berichten weiß. Salihamidzic habe den Coach von Tottenham Hotspur vorgeschlagen. Der Argentinier besitzt in London jedoch noch einen Vertrag bis 2021 und begleitet bei den Spurs ein äußerst vielversprechendes Projekt, das er selbst aufgebaut hat. Unwahrscheinlich, dass der 46-Jährige plötzlich alles stehen und liegen lässt, um an der Säbener Straße anzuheuern.

Lucien Favre: Der Schweizer genießt ein starkes Standing bei Rummenigge, das aus der gemeinsamen Zeit bei Servette Genf herrührt. Konträr zu Hasenhüttl stehen Favres Mannschaften für Ballzirkulation und technisch anspruchsvolles Spiel, basierend auf einer guten defensiven Organisation. Das bewies der 60-Jährige sowohl bei Borussia Mönchengladbach als auch nun bei OGC Nizza. Bei den Franzosen besitzt Favre laut ‚Sport Bild‘ eine Ausstiegsklausel für den kommenden Sommer. Auch Borussia Dortmund hat ihn als neuen Coach auf dem Zettel. Da der detailverliebte Fußballlehrer jedoch als unnahbarer und mitunter komplizierter Charakter bekannt ist (fluchtartiger Rücktritt in Gladbach), der zudem noch nie ein echtes Top-Team coachte, könnte der FCB eine Nummer zu groß für ihn sein.

Niko Kovac (Eintracht Frankfurt) und Julian Nagelsmann (TSG Hoffenheim) erhalten keine Freigaben im kommenden Sommer. Zudem gelten sie als zu unerfahren für den deutschen Rekordmeister.