21. Oktober 2016: Atlético Madrid verlängert den Vertrag mit Shootingstar Yannick Carrasco bis 2022. Die integrierte Ausstiegsklausel wird auf satte 100 Millionen Euro angehoben. 15 Monate zuvor war der Belgier für rund 25 Millionen Euro von der AS Monaco gekommen und überzeugte auf Anhieb. Sogar im Champions League-Finale gegen Real Madrid traf er zum zwischenzeitlichen Ausgleich.

26. Februar 2018: Atlético gibt Carrascos Abschied in Richtung China bekannt. Überschaubare 30 Millionen Euro muss sein neuer Klub Dalian Yifang berappen. Zugegeben: Seinen Stammplatz unter Diego Simeone hatte der 24-Jährige nach mäßigen Leistungen zuletzt verloren. Dennoch erscheint die Ablösesumme für einen derart talentierten Spieler in der heutigen Zeit geradezu mickrig – vor allem mit Blick auf jene Klubs, die ebenfalls mit Carrasco in Verbindung gebracht wurden. Namentlich der FC Bayern, Juventus Turin, der FC Arsenal und sogar der FC Barcelona.

Wirklich nur finanzielle Gründe?

Die Beweggründe des Flügelspielers scheinen auf den ersten Blick klar: Das astronomische Gehalt, das der Chinese Super League-Aufsteiger ihm bot, ließ die sportlichen Ambitionen des 22-fachen Nationalspielers in den Hintergrund rücken. Zehn Millionen Euro kassiert er dort pro Jahr. In seinen Augen „boomt die chinesische Liga“.

Doch bei genauerer Betrachtung ist der Wechsel vielschichtiger als gedacht. Zum einen sind da die Besitzverhältnisse in Dalian. Eigentümer Wang Jianlin ist 15-prozentiger Anteilseigner bei Atlético – und mit seiner Firma ‚Dalian Wanda Group‘ Namensgeber des neuen Stadions Wanda Metropolitano in Madrid. Die Kommunikationswege waren also kurz – so kurz, dass mit Nicolás Gaitán (18 Millionen Euro Ablöse) gleich noch ein weiterer Atléti-Spieler den Weg zu Yifang fand.

„Brücke auf dem Weg zu Juventus“

Doch auch ein weiterer Grund könnte entscheidend für Carrascos Wechsel nach China gewesen sein. ‚Onda Cero‘-Journalist Joaquín Rodríguez berichtet, dass Carrascos Wechsel ins Reich der Mitte nur „eine Brücke auf dem Weg zu Juventus“ sei. Die Italiener gelten bereits seit längerem als ernsthafter Interessent und sind als Schnäppchenjäger bekannt. Verpflichten sie Carrasco im Sommer aus China statt im Winter aus Madrid, könnten unter Umständen Steuervorteile winken. Außerdem umginge man so die Ausstiegsklausel.

Fraglich ist bei diesem Szenario lediglich, welchen Nutzen die Wanda Group und insbesondere Atlético aus dem verzögerten Juve-Transfer ziehen würden. Enthüllungen von ‚Football Leaks‘ machten jedoch zuletzt publik, dass ohnehin lange nicht alle Transferfäden der Colchoneros in den eigenen Händen liegen. Demnach besteht eine undurchsichtige Abhängigkeit zum Unternehmen ‚Quality Football‘, hinter dem unter anderem Ronaldo-Berater Jorge Mendes steht. Möglich also, dass sich Atlético auch im Fall Carrasco dem Wunsch des ein oder anderen Geldgebers beugen musste. Im Sommer ist man schlauer.