Besonders breit war das Grinsen von Horst Heldt vor knapp einem Monat – zumindest das innere. Hannover 96 hatte gerade 1:0 gegen den FC Schalke 04 gewonnen, Heldts Ex-Klub. Etwas mehr als fünf Jahre war der 47-Jährige bei Königsblau als Manager tätig. Dann wurde er vom Hof gejagt, musste Platz machen für einen Mann, der mehr Erfolg versprach als er: Christian Heidel.

Vorwürfe musste sich Heldt insbesondere in puncto Transferpolitik gefallen lassen. Seine Transfers zündeten teilweise nicht, verschlangen zu viele Gehälter, verhalfen dem Klub nicht in die Spitze des deutschen Fußballs – erst recht nicht des europäischen.

Umso größer dürfte die Genugtuung gewesen sein, gemeinsam mit Trainer André Breitenreiter, ebenfalls auf Schalke weggescheucht, über Nachfolger Heidel triumphiert zu haben. Auch dass der aktuelle Sportvorstand von S04 aufgrund seiner Transfers in der Kritik steht, wird Heldt wohl schmunzelnd zur Kenntnis nehmen.

Was ist Heldts Gerüst?

Heldt dagegen wird für seine Personalpolitik von allen Seiten gelobt, ein ganz neues Gefühl für den kleinen Mann aus dem Siegerland. Fraglich ist nur, auf welchem Fundament die Einkaufstour des Ex-Schalkers gebaut ist, der schon zu Stuttgarter Zeiten den Kosenamen Shopping Hotte weghatte.

Denn für einen Aufsteiger wirtschaftete 96 dem Anschein nach über seinen zur Verfügung stehenden Ressourcen. Gestandene Bundesligaspieler wie Pirmin Schwegler, Matthias Ostrzolek oder Julian Korb standen zuvor allesamt bei Klubs unter Vertrag, die finanziell andere Möglichkeiten haben als die Niedersachsen. Und auch wenn gerade Schwegler und Korb vergangene Spielzeit in der Regel Reservisten waren, werden sie bei einem Wechsel zu einem Aufsteiger kaum größere monetäre Einbußen in Kauf genommen haben.

Heldt für hoch dotierte Verträge bekannt

Heldt ist dafür bekannt, Spieler mit hohen Salären anzulocken. Auf Schalke stattete er in der Vergangenheit etwa Sidney Sam, Eric-Maxim Choupo-Moting, Kevin-Prince Boateng oder Franco Di Santo mit äußerst lukrativen Arbeitspapieren aus, die lange am Portemonnaie des Revierklubs nagten oder noch nagen.

Anzunehmen ist daher, dass Heldt und Hannover bereits mit dem Wegfall der 50+1-Regel kalkulieren, und entsprechend transferieren. Denn aufgrund einer Sonderregelung der DFL darf Gönner Martin Kind nach 20 Jahren als Präsident der Roten in diesem Jahr die Mehrheit – also mindestens 51 Prozent – an der Hannover 96 Management GmbH übernehmen. Dies war zuvor nur den Werksklubs wie Bayer Leverkusen, dem VfL Wolfsburg oder 1899 Hoffenheim vorbehalten. Gegen die Übernahme gibt es aus der eigenen Fanszene hartnäckigen Widerstand.

Van Persie, Augustin und Co.

Die Übernahme ermöglicht es den 96ern, Heldt und Kind, Investoren von außerhalb ins Boot zu holen, die den Kader mit Millionensummen speisen könnten. Anders ist zudem kaum zu erklären, wie es einem Aufsteiger möglich sein kann, bei Spielern der Gehaltsklasse eines Robin van Persie, Luuk de Jong oder Pierre-Michel Lasogga mitmischen zu können. Mit dem Trio wurden die Roten im zurückliegenden Sommer in Verbindung gebracht.

Ebenso buhlte Heldt um Jean-Kevin Augustin, der schließlich für 13 Millionen Euro nach Leipzig wechselte. Und auch Torjäger Jonathas, der vor seinem Wechsel bei Rubin Kazan einen stattlich dotierten Vertrag besaß, wird kaum aufgrund der herausragenden sportlichen Perspektive oder allein wegen des guten Rufs der Bundesliga an den Maschsee gekommen sein.

Das Gerüst, das Heldt in Hannover aufgebaut hat, fußt abermals auf einem Batzen Geld, verteilt auf die Konten der 96-Profis – insbesondere der neuen. Kann Hannover seinen Höhenflug fortsetzen und um die Europapokalplätze mitmischen, wird man ihm weiter starke Arbeit attestieren.

Rutschen die Niedersachsen, die vor der Saison von vielen Beobachtern als Abstiegskandidat gehandelt wurden, ab und enttäuschen die Neuzugänge mittel- bis langfristig, hat 96 einen finanziellen Betonklotz am Bein, mit dem es schwierig werden würde, sich freizuschwimmen. Hinfällig wäre dieses Szenario wohl, wenn ohnehin sicher mit dem Aussetzen der 50+1-Regel am Maschsee zu rechnen ist.