Schalkes Wagner-Bekenntnis: Ungewöhnlich & bemerkenswert

Trotz einer schier endlosen Serie siegloser Partien setzt sich Schalkes Sportchef Jochen Schneider über die Mechanismen der Branche hinweg und hält seinem Trainer David Wagner die Treue. Diese Stärke muss erst einmal aufgebracht werden. Ein Kommentar.

Halten zusammen: Schalke-Trainer David Wagner (l.) und Sportvorstand Jochen Schneider
Halten zusammen: Schalke-Trainer David Wagner (l.) und Sportvorstand Jochen Schneider ©Maxppp

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. David Wagner ist noch immer Trainer des FC Schalke 04 und wird es bleiben – nach 16 Pflichtspielen in Folge ohne Sieg.

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Ein Blick in die Historie: 22 Mal wechselte Schalke in den vergangenen 18 Jahren, seit der ersten Trennung von Jahrhunderttrainer Huub Stevens, den Übungsleiter. Eine Schonfrist, wie sie jetzt Wagner eingeräumt bekommt, ist ungewöhnlich und absolut bemerkenswert für diesen Klub.

Respekt, Jochen Schneider

Schon allein deshalb gebührt Sportvorstand Jochen Schneider Respekt für diese Entscheidung. Dass er sich von den vergangenen Monaten nicht hat beirren lassen. Dass er seinen positiven Eindruck von Wagner gegen jeden öffentlichen Druck hinweg aufrechterhalten hat. Wohl dem Trainer, der einen so loyalen Vorgesetzten hat. Einen, der nicht nur Kontinuität predigt, sondern auch vorlebt.

Neben der Tatsache, dass sich Schalke eine schmerzhafte Abfindung erspart, gibt es sportliche Argumente für Wagners Verbleib: S04 holte unter ihm 30 Hinrunden-Punkte. Als dann auch Borussia Mönchengladbach im ersten Rückrunden-Spiel mit 3:1 nach Hause geschickt wurde, war das königsblaue Selbstbewusstsein am Anschlag. Wagner, da waren sich alle einig, hatte den Klub wieder zu einem Europapokal-Anwärter geformt. Die Spieler folgten ihm, waren fit, spielten selbstbewusst.

Auch Wagner hat Fehler gemacht

Dann kamen Verletzungen, dann kam Corona, dann kam die Verkrampfung und, ja, auch Fehler von Wagner. Ihm ging, genauso wie seiner Mannschaft, Mut und Lockerheit abhanden. Die Vorsicht nahm Überhand – bei der Aufstellung wie auch bei den Statements vor den Mikrofonen. Es war nicht die richtige Attitüde, um sich freizuschwimmen.

Dies soll nun in der kommenden Saison geschehen. Der erste Pflichtspiel-Erfolg wird goldwert sein, damit diese belastende Zählerei der sieglosen Partien endet und die Schalker Brust wieder breiter wird. Das Wagner-Bekenntnis ist ungewöhnlich und respektabel – es hätte es verdient, sich auszuzahlen.

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