Englands Topklubs planen Premier League-Revolution

Im Fußball-Mutterland England könnte es in den kommenden Jahren einschneidende Veränderungen geben. Die größten Klubs des Landes ringen um Autonomie und wollen sich diese mit hohen Beträgen erkaufen.

Die Premier League ist ein Tummelbecken internationaler Stars
Die Premier League ist ein Tummelbecken internationaler Stars ©Maxppp

In England tut sich etwas: Die größten Klubs des Landes arbeiten hinter den Kulissen an einer grundlegenden Veränderung der Premier League. Project Big Picture, so der Name des ambitionierten, vom FC Liverpool und Manchester United initiierten Plans, den der ‚Telegraph‘ in seiner heutigen Ausgabe vorstellt.

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Die markantesten Neuerungen vorweg: Die lukrativste Fußball-Liga der Welt soll von 20 auf 18 Mannschaften schrumpfen und damit künftig genauso viele Teams wie die Bundesliga umfassen. Nicht nur in England erwägt man schon länger eine Verkleinerung der ersten Liga – immerhin könnten die Erlöse dann auf weniger Vereine verteilt werden und fallen für den Einzelnen höher aus.

Ein Umbau, der zwangsläufig zum Nachteil der English Football League (EFL) wäre, dem Unterbau der Premier League, zu dem neben der Championship (zweite Liga) noch die League One (dritte Liga) und die League Two (vierte Liga) gehören. Denn Project Big Picture sieht nur noch jeweils zwei Auf- und Absteiger vor. Damit wäre die Durchlässigkeit zwischen erster und zweiter Liga in England noch geringer als in Deutschland, wo sich über die Relegation noch ein dritter Zweitligist den Aufstieg sichern kann.

Ligapokal soll abgeschafft werden

Ebenfalls einschneidend die geplante Abschaffung des als Carabao Cup bekannten Ligapokals. Offensichtlich: Die Topklubs wollen Pflichtspiele von überschaubarer Bedeutung aus ihrem Terminkalender streichen. Für die EFL bedeuten diese Begegnungen dagegen wichtige Einnahmemöglichkeiten.

Als Kompensation soll sich die Premier League nach den neuen Plänen verpflichten, die Zweit,- Dritt- und Viertligisten mit einem Hilfspaket von umgerechnet rund 275 Millionen Euro zu unterstützen und jährlich 25 Prozent ihrer Einnahmen abzutreten. 100 Millionen Euro sollen ferner an die FA zur Kompensation der finanziellen Schäden durch die Corona-Pandemie gehen.

Innerhalb der Premier League sollen den neun Klubs mit dem längsten Premier League-Aufenthalt weitreichende Privilegien eingeräumt werden. Es ist daher zu erwarten, so der ‚Telegraph‘, dass mindestens die Top Sechs der Premier League (neben Liverpool und United sind das Manchester City, der FC Chelsea, der FC Arsenal und Tottenham Hotspur) die Reformpläne mittragen.

Machtkampf steht bevor

Daneben hätten Klubs wie der FC Everton, West Ham United oder der FC Southampton gute Gründe, ihre Zustimmung zu geben, denn auch sie können sich nach aktuellem Stand zum oben genannten neunköpfigen Kreis zählen. Diese neun Vereine hätten nach Project Big Picture unter anderem sogar die Möglichkeit, ein Veto gegen die Übernahme eines Konkurrenten einzulegen.

Grob formuliert würde sich die Premier League – und insbesondere ihre Topklubs – mit obigen Zahlungen eine größere sportpolitische Autonomie von FA und EFL erkaufen und sich weiter von ihrem Unterbau isolieren. Project Big Picture birgt zweifellos große Sprengkraft.

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