Dayot Upamecano: „Ich konzentriere mich auf meine Spiele und bleibe am Boden“

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Dayot Upamecano zählt zu den besten Innenverteidigern der Bundesliga. Der 21-Jährige weckt seit langem das Interesse der großen europäischen Klubs. Im FT-Interview erzählt der Franzose von seinen Anfängen in Salzburg, der Zeit in Leipzig und davon, wie es für ihn im Sommer weitergehen wird.

Dayot Upamecano im Einsatz für RB Leipzig
Dayot Upamecano im Einsatz für RB Leipzig ©Maxppp

Sie haben Frankreich 2015 verlassen. Wie blicken sie auf die Anfänge in Ihrer Heimat zurück?

Ich habe bei La Vaillante in Angers mit dem Fußballspielen angefangen. Da war ich dann etwa zwei Jahre lang. Danach zog ich mit meiner Familie in die Normandie und trat dem FC Prey bei. Aber auch dort bin ich nicht lange geblieben, weil wir wieder umgezogen sind. Ich ging dann zum FC Évreux, der in der Normandie für seine exzellente Jugendarbeit bekannt ist. Sie haben unter anderem junge Talente wie Mathieu Bodmer, Bernard Mendy und Ousmane Dembélé hervorgebracht. Am Ende unterschrieb ich in Valenciennes, wo ich schließlich U17-Nationalspieler wurde.

Sie spielen jetzt schon seit fünf Jahren außerhalb Frankreichs. Würden Sie sagen, bis hierhin war es ein Erfolg?

Alles läuft gut für mich. Bei den Entscheidungen, die ich zu treffen hatte, hat mich meine Familie immer gut beraten. Ich habe einige harte Entscheidungen getroffen. Wenn man jung ist, ist es nicht leicht, sich zu entscheiden. Man muss die Familie an seiner Seite haben, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ich habe Opfer gebracht, um dorthin zu gelangen, wo ich heute bin. Meine Liebsten sind mit mir nach Salzburg gekommen. Es war ihr Wunsch, aber auch meiner. Ich hielt es für wichtig, meine Familie im Ausland bei mir zu haben, besonders wenn man 16, 17 Jahre alt ist.

Es war aber auch ein Stück weit riskant. Bis zu Ihrem Wechsel zu RB Salzburg hatten Sie noch kein Spiel in der Ligue 1 absolviert.

Wir haben lange und intensiv darüber nachgedacht, wann wir diesen Schritt gehen wollen. Meine Familie war in dieser Zeit für mich da und ich danke ihnen dafür. Die Wahl habe ich nie bereut.

Wie beurteilen Sie Ihre Zeit in Salzburg rückblickend?

Ich habe dort unterschrieben, weil wir einen Sportdirektor hatten, der Französisch sprach (Ralf Rangnick, Anm. d. Red.). Er rief mich an und ich war sofort begeistert von der Philosophie, der Art und Weise, wie die Mannschaft spielte. Es gab viele junge Spieler und viele Ausländer, darunter Malier, Chinesen und Japaner. Ich sagte mir, dass auch sie aus dem Ausland kamen und dass sie die Sprache nicht sprechen. All diese Dinge brachten mich dazu, auch dorthin zu gehen. Es war eine positive Erfahrung.

Wie Sie bereits erklärt haben, ist Salzburg ein Sprungbrett für viele junge Talente. Neben Ihnen haben sich auch Sadio Mané und Erling Haaland dort in den Vordergrund gespielt. Man kann sagen, dass der Klub äußerst begabt darin ist, Talente hervorzubringen.

Natürlich. Salzburg hat ein gutes Auge. Als ich noch in Valenciennes spielte und man mich kontaktierte, sah ich, dass viele talentierte Spieler, die Französisch sprachen, zum Klub gekommen waren. Unter anderem Sadio Mané und Naby Keita. Das hat mich zusätzlich ermutigt, dort zu unterschreiben.

2017 sind Sie dann zu RB Leipzig gewechselt, obwohl es zahlreiche andere Angebote gab. Warum haben Sie sich für Leipzig entschieden?

Leipzig verfolgt eine ähnliche Philosophie wie Salzburg. Sie hatten einen guten Karriereplan für mich. Es war der beste Weg, mich und meine Karriere weiterzuentwickeln. Sie boten mir die Möglichkeit zu spielen, was für mich schon das Wichtigste war. Ich wollte nicht einfach zu einem Klub gehen, bei dem ich nicht spielen würde. Ich hatte gute Gespräche mit Leipzig, sie haben mir ihr Projekt genau vorgestellt. Ralf Rangnick kannte ich ebenfalls bereits aus Salzburg. Die Tatsache, dass sie darüber hinaus viele junge Spieler, Ausländer und Franzosen im Team hatten, hat mich überzeugt. Naby, mit dem ich bereits in Salzburg gespielt hatte, sagte mir ebenfalls, ich solle kommen. All das gab den Ausschlag.

Wie würden Sie Ihre bisherige Zeit in Leipzig zusammenfassen?

Ich glaube, ich habe einen langen Weg zurückgelegt und bereue es nicht, nach Leipzig gekommen zu sein. Ich bin sehr glücklich, mit dem Trainer und dem Personal in unserem Team. Aber als junger Spieler weiß ich, dass ich mich noch verbessern muss. Ich höre zu. Ich gebe bei jeder Trainingseinheit mein Bestes und versuche, in jedem Spiel mein Bestes für die Mannschaft zu geben. Ich weiß, dass Julian (Nagelsmann, Anm. d. Red.) mir noch eine Menge beibringen kann.

Sie bringen bereits einiges mit, das heutzutage einen guten Innenverteidiger ausmacht. Wo sehen Sie die größten Stärken in Ihrem Spiel?

Ich mag meine Aggressivität und die Vertikalpässe. Aber wie gesagt, ich habe schon Fortschritte gemacht, kann aber immer noch viel dazulernen.

Von wem lassen Sie sich dabei inspirieren? Haben sie Vorbilder?

Nein, ich habe keine Vorbilder. Aber es gibt Spieler, die auf meiner Position sehr stark sind, wie Virgil van Dijk oder Sergio Ramos. Sie sind sehr erfahrene und gute Spieler.

Die Bundesliga war in den vergangenen Jahren ein guter Ort für einige Talente, um sich optimal weiterzuentwickeln. Was halten Sie von der Liga?

Wie Sie wissen, ist das eine sehr große Liga. Es gibt nur gute Mannschaften. Selbst wenn man gegen die Letzten spielt, ist es nicht einfach. In dieser Saison ist es sehr knapp an der Spitze. Die Bundesliga ist eine der besten Ligen der Welt.

Sie sprechen über das diesjährige Titelrennen. Was denken Sie darüber?

Es ist nicht einfach. Es gibt Bayern München, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen. Das sind allesamt sehr gute Klubs, die wir respektieren. Wir bleiben auf dem Boden und werden weiterhin hart arbeiten und alles geben. Dann werden wir am Ende der Saison sehen, wozu es gereicht hat.

Wie sehen Sie persönlich ihre bisherige Saison?

Ich glaube, dass ich ganz gut gestartet bin und hoffe, dass ich so weitermachen kann. Ich werde immer mein Bestes geben, ob im Training oder bei den Spielen.

Sie sprachen eben schon von Ihrem Trainer Julian Nagelsmann. Was können Sie uns über ihn sagen?

Er ist ein sehr guter Trainer. Er hilft uns täglich, taktisch oder anderweitig. Sowohl ich als auch die Spieler hier mögen ihn sehr. Wir arbeiten gerne mit ihm zusammen.

Sie haben mehrere französische Mitspieler in ihrer Mannschaft. Christopher Nkunku, Ibrahima Konaté und Nordi Mukiele sind an Ihrer Seite. Trägt das dazu bei, sich im Verein und in der Mannschaft noch besser zurechtzufinden?

Das hilft natürlich sehr. Ich bin einer der ersten französischen Spieler, der hier ins Team kam. Ich bin sehr glücklich, dass jetzt auch andere französische Spieler bei mir sind. Wenn wir etwas Freizeit haben, gehen wir alle zusammen essen. Das ist auch das, was uns stark macht, dass wir uns aufeinander verlassen können.

Sie spielen mit Timo Werner zusammen, der derzeit mit einem Wechsel in Verbindung gebracht wird. Wie beurteilen Sie ihn?

Er ist sehr talentiert, aber auch er ist noch nicht fertig. Ich denke, er wird sich noch weiter steigern. Vor dem Tor ist er ein echter Killer. Ich bin mir sicher, dass er noch viele weitere Tore erzielen wird. Wir brauchen ihn.

Apropos Killer. Bei Bayern München gibt es mit Robert Lewandowski auch einen Spieler dieser Sorte. Doch in den Spielen gegen München haben Sie ihn öfters zähmen können. Macht Sie das stolz?

Natürlich macht einen das stolz. Robert Lewandowski ist einer der besten Stürmer der Welt. Gegen ihn muss man hellwach sein. Aber wenn man gegen Stürmer wie ihn spielt, macht man die größten Fortschritte. Ich hoffe, dass wir uns bald wieder gegenüberstehen werden.

Sie haben in dieser Saison auch einige gute Stürmer in der Champions League kennengelernt. In der vergangenen Woche hat Ihre Mannschaft im Achtelfinale gegen Tottenham den ersten Schritt Richtung Viertelfinale gemacht. Was erwarten Sie im Rückspiel?

Wir hatten ein wirklich gutes Spiel dort. Man kann sagen, dass wir zur Halbzeit führen, aber jetzt müssen wir auch die zweite Halbzeit bestehen. Wir dürfen sie auf keinen Fall unterschätzen. Sie haben einen guten Trainer und standen im vergangenen Jahr im Finale. Das ist also keine kleine Mannschaft. Es stimmt, dass wir im Hinspiel einen guten Tag erwischt haben. Nun hoffe ich, dass wir im Rückspiel das Gleiche tun und zuhause mit unseren Fans im Rücken gewinnen werden.

Es hieß einmal, Sie würden den englischen Fußball mögen. Welche Ligen verfolgen Sie?

Wenn ich zuhause bin, schaue ich mir fast alles an. Mir gefällt die Ligue 1, aber ich mag auch La Liga, die Serie A und die Premier League.

In den letzten Monaten wurde viel über Ihre Zukunft gesprochen. Spielen Sie nächste Saison noch in Leipzig?

Ich fühle mich sehr wohl in Leipzig. Ich liebe meine Mannschaftskameraden, das Personal und meinen Klub. Im Moment stehe ich noch bis 2021 unter Vertrag. Es ist meine Pflicht, weiterhin gut zu trainieren und meine Spiele zu spielen. Auch wenn ich weiß, dass es Vereine gibt, die mich wollen, bleibe ich mit beiden Füßen auf dem Boden, das ist sicher. Wir werden meine Zukunft am Ende der Saison mit meinen Beratern und meiner Familie besprechen.

Es ehrt Sie sicherlich, mit so großen Vereinen wie dem FC Barcelona, Bayern München und Arsenal in Verbindung gebracht zu werden.

Natürlich. Aber wie gesagt, ich bin in Leipzig und möchte meine Ziele mit dem Klub erreichen. Ich habe im Moment keine Lust, über etwas anderes zu sprechen. Ich möchte die Saison mit Leipzig bestmöglich abschließen und nichts anderes.

Neben dem Klub spielen sie auch in der französischen U21-Nationalmannschaft. Wann laufen Sie zum ersten mal mit der A-Elf auf?

Ich gehöre zur U21 und ich denke, wir haben eine sehr gute Mannschaft. Wir haben die Olympischen Spiele, die diesen Sommer bevorstehen. Ich hoffe, einen Platz in der Mannschaft zu ergattern, die nach Tokio fährt. Aber ich hoffe auch, eines Tages zur A-Nationalmannschaft einberufen zu werden. Das ist mein Traum. Ich werde mein Bestes geben und weiterhin hart daran arbeiten, dieses Ziel zu erreichen.

In Bezug auf Olympia schlug Kylian Mbappé zuletzt vor, dass er ebenfalls teilnehmen könnte. Was halten Sie von diesem Vorstoß?

Das wäre ein Pluspunkt. Er hat ein riesengroßes Potenzial. Er würde uns sicherlich weiterhelfen.

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