Klinsmann klärt auf: Es ging um „Kompetenzverteilung“

Jürgen Klinsmann ist seit dem heutigen Dienstagmittag nicht mehr Cheftrainer bei Hertha BSC. Zu den Gründen für seinen Rücktritt hat der 55-Jährige nun Stellung bezogen.

Jürgen Klinsmann hat seinen Rücktritt begründet
Jürgen Klinsmann hat seinen Rücktritt begründet ©Maxppp

Schon heute hat sich Jürgen Klinsmann auf die Heimreise in Richtung Kalifornien begeben. Zuvor erläuterte er der ‚Bild‘, welche Gründe ihn zum Rücktritt bei Hertha BSC bewogen haben. „Es gab einfach verschiedene Denkweisen und vor allem verschiedene Kulturen“, erläutert Klinsmann, „natürlich geht es auch um die Kompetenzverteilung. Nach meinem Verständnis sollte ein Trainer – nach dem englischen Modell – die gesamte sportliche Verantwortung tragen. Also auch über Transfers.“

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So habe man „wesentlich mehr Power“, findet der Weltmeister von 1990. Das habe sich in „Deutschland mit Sportvorständen und Direktoren anders entwickelt. Da finde ich mich nicht wieder. Es geht viel zu viel Energie verloren für Dinge, die außerhalb des Spielfeldes liegen.“

Tatsächlich ging es also wie vermutet um Machtverteilung. „Die letzten Wochen haben viel zu viel Energie gekostet, die in Nebensächlichkeiten verbraucht wurden“, beschreibt Klinsmann seine Gemütslage. Insgesamt sei er „nicht so glücklich. Aber es ist besser, dass ich wieder in den Flieger steige.“

Klinsmann bleibt Hertha erhalten

Konsequenzen für seinen Job im Aufsichtsrat habe das Kompetenzgerangel mit Manager Michael Preetz aber nicht. Klinsmann stellt klar: „Es ist keine Flucht. Ich verlasse zwar erst einmal Berlin, aber komme wieder und bleibe Hertha erhalten als Sportlicher Berater von Tennor. Diese Funktion nehme ich ernst.“

Dabei lautet die Frage allerdings, ob die Hertha und ihr Umfeld überhaupt gewillt sind, weiter mit Klinsmann zusammenzuarbeiten. Der ehemalige Stürmer erklärt mit Blick auf Preetz: „Ich feuere niemanden. Es geht um die Zukunft von Hertha BSC und Berlin. Wie geht es weiter mit den Stadionplänen? Kommt ein vorzeigbares Trainingsgelände? Eine zweite Mannschaft, die in der dritten Liga dabei ist? Ein Profi-Team, das eine dauerhafte Rolle in Europa spielt. Der Verein, die Stadt, die Fans müssen entscheiden, was sie wollen.“

Lediglich zehn Spiele lang währte also die Ehe zwischen der biederen Hertha und Visionär Klinsmann. Retrospektiv lässt sich immer leicht behaupten, man habe ja wissen können, dass es zwischen solchen Parteien nicht passen kann. Doch an dieser Stelle ist es besonders eklatant. Für Preetz und Co. geht es nun darum, die Scherben zusammenzukehren und die bestmögliche Lösung für die Trainer-Position zu finden, damit wenigstens der sportliche Super-GAU ausbleibt.

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