Nicht wenige waren überrascht, als Christian Heidel vor knapp einem Monat sowohl Benjamin Stambouli von Paris St. Germain als auch Nabil Bentaleb von den Tottenham Hotspur als Neuzugänge präsentierte. Nach einem Kurzeinsatz beim Ligaauftakt stand Bentaleb in jedem der folgenden Spiele über 90 Minuten auf dem Platz. Trotz seines folgenschweren Fehlers bei der 0:2-Niederlage gegen Hertha BSC durfte der Algerier gegen den 1.FC Köln wieder von Beginn an auflaufen.

Anders als Stambouli ist Bentaleb nicht der klassische Abräumer, den Sportdirektor Heidel in der Transferphase suchte. Ein Typ „wie Julian Baumgartlinger in Mainz, der in jedem Spiel 13 Kilometer gebrummt hat und ein Zweikämpfer ist“ und der neben Johannes Geis als Staubsauger vor der Abwehr fungiert, ist der 21-Jährige nicht. Auch die Charakterisierung von Heidel, die er bei der Vorstellung des Youngsters wählte („Er verträgt es nicht, wenn der Gegner den Ball hat“), passt nur unzureichend. Dennoch weiß Schalkes neue Nummer 10 auf der Doppelsechs zu gefallen.

Mehr Ballverteiler als Zerstörer

Gegen defensive Kölner setzte Markus Weinzierl auf eine spielstarke Doppelsechs mit Bentaleb und Geis. Obwohl mit Max Meyer und Geis zwei Spieler auf dem Platz standen, die durchaus in der Lage sind, den tödlichen Pass zu spielen, war es vor allem Bentaleb, der die Schalker Angriffe gegen den lauernden Effzeh initiierte. Den vielversprechenden Aktionen ging meist eine Spieleröffnung des algerischen Nationalspielers voraus (27., 36.). Ein Traumpass aus dem Fußgelenk in den Rücken der Abwehr auf Klaas-Jan Huntelaar brachte schließlich die Königsblauen in Führung. Auch im zweiten Durchgang war Bentaleb Ausgangspunkt gefährlicher Aktionen (55., 58.). Mit einem schönen Direktpass in den Sechzehner hätte er in der 80. Minute sogar fast den Schalker Ausgleich eingeleitet. Der eingewechselte Breel Embolo machte die Chance jedoch zunichte.

Bis zur Einwechslung von Evgen Konoplyanka in der 67. Minute ließ sich Bentaleb im Spielaufbau immer wieder neben Benedikt Höwedes auf die linke Außenbahn fallen, während der etatmäßige Linksverteidiger Abul Rahman Baba aufrückte. Dem Spiel der Weinzierl-Elf mangelte es aber an Bewegung, wodurch der Ex-Londoner den Angriff meist abbrechen und einen Querpass spielen musste.

Insgesamt war Bentaleb aber keineswegs defensiver orientiert als sein Partner auf der Doppelsechs. Im Gegenteil: In der Regel schaltete sich der Algerier in den Schalker Angriff mit ein und war meist auf Höhe des gegnerischen Sechzehners zu finden, wenn der Ball über die rechte Seite nach vorne getragen wurde. Auf diese Weise kam Bentaleb auch nach einem Pass von Alessandro Schöpf zur ersten nennenswerten Chance der Partie für die Königsblauen (29.).

Neuer Partner für Bentaleb

Zum ersten Mal in dieser Saison bildeten Geis und Bentaleb von Beginn an das Duo vor der Abwehrkette. Nur bei Bentalebs erstem Kurzeinsatz gegen Eintracht Frankfurt standen beide für 16 Minuten gemeinsam auf dem Platz. In den vergangenen drei Bundesligapartien und in der Europa League setzte Weinzierl dem Algerier Stambouli an die Seite. Geis stand zuletzt nicht einmal im Kader der Knappen.

Dass die beiden daher noch Abstimmungsprobleme hatten, ist nachzuvollziehen. Gerade in der Anfangsphase war der Abstand zwischen den Innenverteidigern und der neu formierten Schalker Doppelsechs zu groß. Die Lücken wussten die Kölner aber nicht zu bestrafen. Einzig Yuya Osako konnte den Platz in der gegnerischen Defensive zu einem Torschuss nutzen (25.). Auch Offensiv war das Zusammenspiel noch ausbaufähig. Nicht selten waren sowohl Bentaleb als auch Geis im gegnerischen Drittel zu finden, was die Kölner zu Kontern einlud. Mit zunehmender Spielzeit harmonierten die beiden aber immer besser und waren bei den Gegentoren schuldlos.

Fazit

Nach seinem leichtfertigen Ballverlust gegen Hertha und der anschließenden Kritik durch Heidel präsentierte sich Bentaleb am gestrigen Mittwochabend in Topform. Der 21-Jährige war der mit Abstand beste Schalker und wusste auf ganzer Linie zu überzeugen. Immer wieder forderte er den Ball und brachte somit Schwung in das statische Spiel der Knappen. Die Statistik untermauert seine Leistung: 105 Ballkontakte und 90 Prozent gewonnene Zweikämpfe sprechen einen deutliche Sprache. Seinen Stammplatz hat Bentaleb auch am kommenden Wochenende gegen die TSG Hoffenheim sicher. Wer ihm in Sinsheim zur Seite steht, bleibt aber noch offen, da Leon Goretzka nach muskulären Problemen voraussichtlich wieder einsatzfähig sein wird.