Mexiko hat Gastgeber Brasilien zum Auftakt des 2. Spieltags am gestrigen Dienstag das Leben richtig schwer gemacht und verdientermaßen einen Zähler gegen den großen Favoriten eingefahren. Neben dem herausragenden Guillermo Ochoa im Tor sowie dem starken Antreiber Héctor Herrera im Mittelfeld zeigte dabei vor allen Dingen die Flügelzange um Paul Aguilar und Miguel Layún eine ansprechende Partie. Besonders die Leistungskurve von Layún zeigt in der letzten Zeit konstant nach oben.

Spätstarter im Nationaldress

Layún, der am kommenden Mittwoch seinen 26. Geburtstag feiert, ist ein Spätstarter in der Nationalmannschaft. Erst vor rund einem Jahr, kurz nach dem Vorrunden-Aus Mexikos beim Confed-Cup in Brasilien, feierte der Außenbahnspieler sein Debüt für die ‚Tri‘. Seitdem hat er 16 Länderspiele absolviert und ist aus der Fünferkette der Mittelamerikaner kaum mehr wegzudenken.

Bei der Weltmeisterschaft hat Layún einen Start nach Maß erwischt: Im ersten Gruppenspiel gegen Kamerun (1:0) setzte er mit seinen dynamischen Vorstößen immer wieder Akzente und sorgte dafür, dass sein Gegenspieler Cédric Djeugoue bereits zur Halbzeit ausgewechselt wurde. Außerdem fiel er durch einige gut getretene Standards auf. Einen seiner Eckbälle verwertete Giovanni dos Santos zum Führungstreffer für Mexiko, das Tor wurde aber wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung zu Unrecht nicht anerkannt.

Auch im zweiten Spiel hatte der gegnerische Rechtsverteidiger, in diesem Fall Brasiliens Dani Alves, mit dem schnellen Rechtsfuß alle Hände voll zu tun. Layún interpretierte seine Rolle im Wechsel mit Andrès Guardado wie so oft sehr offensiv und machte über die Außenbahn – genau wie sein Pendant Aguilar auf der rechten Seite – gehörig Dampf. Eine seiner stärksten Waffen, die wuchtigen Weitschüsse, waren bisher nicht von Erfolg gekrönt.

Kein Glück in Italien, schwerer Stand bei den Fans

Während Layún in der Nationalelf ausschließlich auf der linken Seite zum Einsatz kommt, wird er im Verein häufig als Rechtsverteidiger beziehungsweise im rechten Mittelfeld aufgeboten. Seit Anfang 2010 spielt der flinke Flügelspieler beim mexikanischen Spitzenteam Club América. Ein halbes Jahr zuvor hatte sich der damals 21-Jährige auf ein Auslands-Abenteuer eingelassen und war als erster Mexikaner überhaupt nach Italien zu Atalanta Bergamo gewechselt. In der Serie A kam er allerdings nicht zurecht, bestritt nur zwei Kurzeinsätze und kehrte nur wenige Monate später frustriert in die Heimat zurück.

Doch auch bei América hatte er zu Beginn einen schweren Stand. Für den Klub lief es schlecht, weshalb die Fans den relativ unbekannten Layún im Netz als Hauptschuldigen für die Misere auserkoren (#TodoEsCulpaDeLayún, übersetzt: Layún ist an allem schuld) und ihm die nötige Qualität für den Titelkampf absprachen. „Das, was in den sozialen Netzwerken über mich geschrieben wurde, war schon hart“, sagt Layún deshalb rückblickend, „ich musste mich mächtig ins Zeug legen und das Beste aus mir herausholen, um diese Situation zu ändern.“ Und das tat er auch – allerdings verlief der Prozess schleppend.

Erst drei Jahre später konnte Layún die letzten Zweifler auf seine Seite ziehen, als er im Finalrückspiel um die mexikanische Meisterschaft im Elfmeterschießen antrat und América mit dem entscheidenden Treffer zum Champion kürte. Seit diesem Zeitpunkt ist Layún nicht nur im Verein, sondern auch im Nationalteam ein gefragter Mann – und bereit für sein zweites Europa-Abenteuer? Die Bundesliga-Manager und -Scouts sollten den passsicheren und vielseitig einsetzbaren Außenbahnspieler auf jeden Fall im Auge behalten.



Die WM-Shootingstars für die Bundesliga:

- Marcelo Brozovic

- Jefferson Montero

- Ein WM-Shootingstar für die Bundesliga: Christian Atsu