Bayerns Kimmich-Problem

Joshua Kimmich ist beim FC Bayern gleich auf zwei Positionen unentbehrlich. Mittelfristig muss daher hochkarätige Verstärkung her.

Joshua Kimmich spielt seit 2015 beim FC Bayern
Joshua Kimmich spielt seit 2015 beim FC Bayern ©Maxppp

Für den seit Monaten formschwachen Benjamin Pavard (24) war am gestrigen Sonntag zur Pause Schluss. Joshua Kimmich (25) wechselte vom zentralen Mittelfeld auf die Rechtsverteidiger-Position, der FC Bayern drehte den 0:2 Rückstand gegen Mainz 05 zügig und gewann letztlich klar mit 5:2.

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Kimmich erzielte dabei das Tor zum Anschluss, bereitete den Ausgleich vor und trieb seine Mannen auch ansonsten unermüdlich an. Dabei hatte er einen Einfluss aufs Team, wie ihn Außenverteidiger selten haben. Es wurde überdeutlich, wie sehr er den Münchnern während seiner Verletzungspause gefehlt hat.

Sonderlob von Flick

„Joshua hat in der zweiten Halbzeit gezeigt, wie man einen Außenverteidiger interpretiert“, lobte Hansi Flick seinen Führungsspieler anschließend. Trotzdem gibt es bei den Bayern gewissermaßen auch ein „Kimmich-Problem“. Und zwar, dass man nur einen Kimmich hat.

Joshua Kimmich 2021 2

Zur Erkenntnis, keinen besseren Rechtsverteidiger als den deutschen Nationalspieler verpflichten zu können, dürfte man in München schon vor einer Weile gelangt sein. Pavard ist in der Regel zuverlässig und nach vorne – gerade bei Standards – durchaus brauchbar. Von Kimmichs Extraklasse ist der Weltmeister aber meilenweit entfernt und zudem außer Form.

Goretzka und Tolisso zu ähnlich

Doch würde Kimmich dauerhaft wieder nach hinten rechts wechseln, entstünde wiederum im Mittelfeld eine riesige Lücke. Einen weiteren Sechser mit den spielerischen und gestalterischen Qualitäten des gebürtigen Rottweilers sucht man im FCB-Kader nämlich vergeblich. Oktober-Neuzugang Marc Roca (24) spielt unter Flick keine Rolle.

Leon Goretzka (25) und Corentin Tolisso (26) machten ihre Sache gegen Mainz zwar gut – sind sich auf Dauer aber wohl zu ähnlich in ihrer Spielanlage. Beide sind physisch stark, stoßen gerne in den gegnerischen Strafraum und gewinnen viele Bälle. Der Spielaufbau aus einer tieferen Position beziehungsweise die Absicherung des anderen berauben sie jedoch ihrer eigentlichen Stärken.

Transfer-Agenda: Rechtsverteidiger oder Sechser

Und so müssen sich die Münchner Entscheidungsträger Gedanken machen, wie sie das „Kimmich-Problem“ lösen. Entweder ein hochkarätiger, offensivfreudiger Rechtsverteidiger oder ein spielmachender Sechser wie der ersatzlos abgegebene Thiago muss auf der Transfer-Agenda von Hasan Salihamidzic stehen. Letzteres Profil könnte tendenziell leichter zu finden sein.

Übrigens: Kimmich selbst spielt erklärterweise am liebsten im Zentrum – dort wurde er einst auch ausgebildet. Der Vollprofi stellt sich, muss er als Rechtsverteidiger ran, aber voll in den Dienst der Mannschaft. Das zeigte nicht nur seine Top-Leistung gegen Mainz, sondern auch das erfolgreiche Champions League-Turnier in Lissabon. Auch dort spielte Kimmich rechts hinten.

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