Bayern-Dilemma: Was kann Richards?

Der FC Bayern steckt schon zu Vorbereitungsstart in einem kleinen Dilemma. Mit Alphonso Davies und Lucas Hernández fallen die etatmäßigen Linksverteidiger wochenlang aus. Es könnte die große Chance für Neuzugang Omar Richards sein.

Omar Richards ist neu beim FC Bayern
Omar Richards ist neu beim FC Bayern ©Maxppp

Als Omar Richards im Frühjahr beim FC Bayern zusagte, hatte der Rekordmeister noch drei potenzielle Linksverteidiger von Top-Format unter Vertrag. Mittlerweile ist David Alaba zu Real Madrid gewechselt, Alphonso Davies hat sich einen Bänderriss im Sprunggelenk zugezogen und Lucas Hernández verletzte sich bei der EM am Innenmeniskus.

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Für Neuzugang Richards die unverhoffte Chance, gleich als Stammspieler in seine Zeit bei den Bayern zu starten. In den Vorbereitungsspielen ist die Nominierung des 23-Jährigen quasi alternativlos. Und bietet der Engländer dort ordentliche Leistungen, muss sich Julian Nagelsmann auch zum Pflichtspielauftakt keine Alternative für hinten links einfallen lassen.

92 Zweitliga-Spiele

Doch wer ist dieser in Deutschland unbekannte Richards überhaupt? Die Bayern-Scouts spürten den gebürtigen Londoner in Englands zweiter Liga auf. 92 Championship-Spiele bestritt Richards für seinen Jugendklub FC Reading, sein Vertrag lief nun aus und der FCB schnappte ablösefrei zu.

Die Qualitäten des Linksfußes liegen dabei klar in der Offensive, war er als Jugendspieler doch meist als Linksaußen unterwegs. Mit dem Sprung zu den Profis wurde Richards dann aber umgeschult. Sein ehemaliger Trainer Jaap Stam lobhudelte einst: „Omar ist ein Linksverteidiger mit einer Menge Qualität am Ball, Geschwindigkeit und Vorwärtsdrang.“

Der ehemalige Weltklasse-Verteidiger weiter: „Das sind Attribute, nach denen jedes Team Ausschau hält.“ So auch die Bayern, die in Davies einen vergleichbaren Spielertyp bereits unter Vertrag haben. Insbesondere Nagelsmann, der auf extrem offensivfreudige Außenverteidiger steht, dürfte Richards‘ Spielweise gefallen.

Reading-Fans skeptisch

Aber: Ob der ehemalige U21-Nationalspieler (ein Kurzeinsatz) tatsächlich das Niveau für die Bayern mitbringt, wird die Zeit zeigen müssen. Die zweite englische Liga ist zwar anspruchsvoll – allerdings qualitativ natürlich deutlich unter der Bundesliga und erst recht unter Bayern-Ansprüchen anzusiedeln.

Für Reading-Fans kam Richards steile Entwicklung in der vergangenen Saison und erst recht sein Wechsel nach München ohnehin überraschend. In einer Umfrage aus dem Dezember 2019 waren von 703 Teilnehmern nur 14,1 Prozent der Meinung, dass Richards das Potenzial für die Premier League hat. 23,8 Prozent glaubten dagegen, dass es für ihn in drei Jahren eher die dritte als erste Liga wird. Die Option FC Bayern stand damals wenig überraschend nicht zur Wahl.

Der Reading-Blog The Tilehurst End lastet Richards bei allen offensiven Qualitäten insbesondere seine Inkonstanz und defensive Schwächen an. Probleme, die Richards dringend loswerden muss, will er sich auch nach der Rückkehr von Davies und Hernández im Bayern-Team behaupten. Zunächst hat er aber die unverhoffte Chance, gleich eine Menge Einsatzzeiten zu sammeln.

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