Umbruch mit Frust: Hertha vergrault die eigenen Stars

Mit millionenschweren Finanzspritzen von Investor Lars Windhorst will Hertha BSC in die europäische Spitze vorstoßen. Dass der Weg dahin ein steiniger ist, erfahren die Berliner gerade am eigenen Leib. Gleich drei Spieler haben sich öffentlich beklagt.

Nicht jeder ist mit dem Hertha-Umbruch einverstanden
Nicht jeder ist mit dem Hertha-Umbruch einverstanden ©Maxppp

Neidisch blicken die Verantwortlichen von Hertha BSC nach London, Madrid und Paris. In den europäischen Metropolen genießen Vereine wie Real, Atlético, Chelsea, Arsenal, Tottenham oder PSG teils seit Jahrzehnten ihren Status als europäischer Spitzenverein. Die Alte Dame aus Berlin fristet hingegen ein Dasein als graue Maus.

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Das soll sich ändern. Mit Hilfe von Investor Lars Windhorst will Hertha ein „Big City Club“ werden. Der Umbruch ist im vollen Gange, die Geldkoffer sind so groß wie die Ambitionen. Die Herthaner haben einen konkreten Plan: Neue Stars sollen den Hauptstadt-Klub in die europäische Spitze hieven.

88 Millionen für vier Spieler

Dodi Lukebakio (22) kam im Sommer für die vereinsinterne Rekordablöse von 20 Millionen Euro vom FC Watford. Ein halbes Jahr später ist der Belgier seinen Titel schon wieder los. Für Lucas Tousart (22) zahlten die Herthaner kürzlich 25 Millionen, obwohl sich der Mittelfeldspieler erst im Sommer dem Team anschließen wird.

Zudem steht die Verpflichtung von Krzysztof Piatek (24) vom AC Mailand für 23 Millionen kurz bevor. Auch Matheus Cunha (20) von RB Leipzig soll noch kommen. Kostenpunkt: 18 Millionen.

Hertha meint es ernst, die Botschaft ist klar. Ob der Plan der Berliner aber tatsächlich aufgehen und den Klub in europäische Sphären heben wird, hingegen nicht. Schon jetzt zeigt sich, dass nicht alle Spieler mit der neuen Marschrichtung der Alten Dame einverstanden sind. Innerhalb weniger Tage beschwerten sich drei Akteure öffentlich und lautstark über ihre Situation.

Trio beschwert sich

Den Anfang machte Arne Maier, der am Sonntag offensiv verkündete, seinen Heimatklub noch in diesem Winter verlassen zu wollen. Nach den Verpflichtungen von Ascacíbar und Tousart fühlt sich der 21-Jährige nicht mehr wertgeschätzt. Es folgte Salomon Kalou, der mit Blick auf Jürgen Klinsmann sagte, er werde „respektlos“ behandelt.

Den Schlusspunkt setzte gestern Niklas Stark. Er habe mehrfach versucht, mit Klinsmann über seine aktuelle Reservistenrolle zu sprechen, jedoch immer noch keine Erklärung vom Trainer erhalten.

Offiziell sind die Aussagen kein Problem für die Hertha-Verantwortlichen. „Das überrascht mich nicht. In der Transferperiode ist immer viel Bewegung. Da gibt es viele Gerüchte, Spekulationen und unzufriedene Spieler“, erklärte Co-Trainer Alexander Nouri auf einer Pressekonferenz. Klinsmann stehe für „einen offenen und transparenten Austausch mit den Spielern“.

Hertha vergrault die eigenen Stars

Dass ausgerechnet drei etablierte Kräfte ihre Unzufriedenheit kundtun, sollte aber nicht einfach abgetan werden. Maier gilt als das talentierteste Eigengewächs, das die Berliner in langen Jahren hervorgebracht haben. Stark ist deutscher Nationalspieler und einer der wertvollsten Akteure des Kaders. Der 34-jährige Kalou spielt zwar sportlich kaum noch eine Rolle, ist aber ein international bekannter Star mit Strahlkraft.

Das ausgerechnet diese Spieler zur öffentlichen Kritik ausholen, wirft kein gutes Licht auf die Hertha – und vor allem auf die klubinterne Kommunikation. Der Verein muss eigentlich ein Interesse daran haben, Maier und Stark als Eckpfeiler der Mannschaft der Zukunft zu installieren – unabhängig von teuren Neuzugängen.

Es scheint, als hätten die Hertha-Verantwortlichen über die fieberhafte Suche nach neuen Stars das eigentliche Fundament des Teams aus den Augen verloren. Dieses wird zurzeit eher untergraben als gestärkt. Das sorgt für schlechte Stimmung. Und die könnte dem Klub im Abstiegskampf teuer zu stehen kommen.

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