Martin Kind ist Hannover 96 eng verbunden. Über Jahre kämpfte der bekannte Hörgeräte-Hersteller dafür, aus den Niedersachsen ein Team zu formen, das sich auf Dauer im oberen Drittel der Bundesliga festsetzen kann. Um das Ziel zu erreichen, wollte Kind die Mehrheit im Klub übernehmen und dem Verein auf diesem Weg direkte finanzielle Mittel zukommen lassen. Dafür gründerte er die Hannover 96 Sales & Services GmbH & Co.KG. Doch die 50+1-Regel, die es einer tatsächlichen oder juristischen Person untersagt, die Mehrheit an einem Klub zu übernehmen, verhinderte solche Pläne.

Dies hatte zwei Konsequenzen: Zum einen lief der Präsident der Niedersachsen über Jahre Sturm gegen die Beschränkung. Zum anderen baute er ein komplexes Netzwerk von Teilgesellschaften rund um 96 auf, durch das es ihm möglich war, dem Verein doch Gelder zukommen zu lassen, über deren Verwendung er die Entscheidungsgewalt behielt.

In sechs Jahren ist dies allerdings nicht mehr nötig. Kind triumphierte vor einigen Wochen vor dem DFB-Schiedsgericht. In Zukunft dürfen Personen, die einen Klub mindestens 20 Jahre direkt unterstützt haben, die Mehrheit übernehmen. Im Fall des 67-Jährigen und von Hannover 96 ist der Stichtag im Jahr 2017. Bereits jetzt will Kind sich auf die neue Situation vorbereiten.

Er selbst werde sich „aus dem operativen Geschäft immer mehr zurückziehen“, kündigt der 96-Präsident in der ‚Sport Bild‘ an, er suche aber zugleich neue Gesellschafter für die Hannover 96 Sales & Services GmbH & Co.KG, die künftig das Sagen im Verein haben wird, um durch sie frisches Geld in den Klub zu pumpen. Bereits im kommenden Jahr sollen mit ihrer Hilfe 25 Millionen Euro zur Verfügung stehen, die für Investitionen in neue Spieler und die Infrastruktur des Klubs genutzt werden können. Ob es tatsächlich zur Übernahme der ‚96er‘ durch den Hörgeräte-Hersteller kommt, ist noch nicht in Stein gemeißelt. Die Mitglieder müssen dafür den Weg frei machen.