Rund zehn Millionen Euro hat der FC Bayern München für Juan Bernat an den FC Valencia überwiesen. Viel Geld für einen Spieler, der auf den ersten Blick als Reservemann für David Alaba eingeplant ist. Die Gedanken von Pep Guardiola gehen aber wohl in eine andere Richtung. „Wir planen mit ihm nicht nur als Backup für die linke Seite“, verrät Sportvorstand Matthias Sammer. Tatsächlich bietet der 21-Jährige seinem Landsmann und Trainer drei Optionen.

Zum einen hat Guardiola mit Bernat eine Alternative von höchster Qualität für Alaba. In der verangenen Saison kam der Spanier ausschließlich auf dieser Position zum Einsatz und kennt sie wie seine Westentasche. Bislang stand Diego Contento als Backup für Alaba zur Verfügung, doch Guardiola wollte nicht so recht auf den Deutsch-Italiener zurückgreifen, der in Kürze den Abflug machen dürfte. Fällt Alaba also mal aus, steht mit Bernat nun ein Ersatz bereit, dem der Bayern-Coach uneingeschränkt vertraut.

Doch wie Sammer angedeutet hat, ist dies nicht die einzige Rolle, die Bernat zugedacht ist. Der gelernte Linksverteidiger könnte mittelfristig den Weg für Alaba ins Mittelfeld freimachen. Dass der Österreicher seinen Vertrag im Dezember bis 2018 verlängerte, hatte vor allem zwei Gründe: Eine saftige Gehaltserhöhug und die Aussicht, eine Chance im defensiven Mittelfeld zu erhalten. Denn Alaba gibt unumwunden zu: „Bei Bayern sieht man mich auf der Außenverteidigerposition, das passt auch gerade sehr gut. Allgemein fühle ich mich aber im zentralen Mittelfeld einfach wohler und beim Nationalteam bekomme ich von Teamchef Koller die Chance, genau dort zu spielen.“

Alaba könnte Kroos ersetzen

Gut möglich, dass die Bayern Alaba schon im Dezember verraten haben, dass sie einen neuen Mann für links hinten an Bord holen wollen. Mit dieser Information im Rücken sagte das Eigengewächs Ja zum FCB und unterschrieb langfristig. Womit auch geklärt wäre, warum der Rekordmeister keine großen Anstrengungen unternimmt, Toni Kroos von seinem geplanten Wechsel zu Real Madrid abzubringen. Die Rolle des 24-Jährigen könnte in Zukunft Alaba einnehmen.

Die dritte Option, die sich für Guardiola ergibt, liegt in der Vielseitigkeit von Bernat. Wie unser spanischer Korrespondent Ivan Vargas berichtet, ist der Youngster nicht auf die Rolle in der Viererkette festgelegt – im Gegenteil:„ In der abgelaufenen Saison hat er immer als Linksverteidiger gespielt. Aber davor kam er auch auf dem linken Flügel zum Einsatz. Meiner Meinung nach ist er dort sogar stärker, denn er hat Probleme in der Defensive“.

Bernat könnte also auch Franck Ribéry ersetzen, dessen Leistunsstand in der jüngeren Vergangenheit einige Fragen offenließ. In der Rückrunde lief der Franzose seiner Form hinterher, die WM verpasste er wegen Rückenproblemen.

Mit dem jungen Bernat bieten sich Cheftrainer Guardiola diverse Möglichkeiten, das Team nach seinen individuellen Wünschen auszurichten. Gut möglich, dass der technisch versierte Neuzugang je nach Gegner in verschiedene Rollen schlüpfen muss.