Ambivalent, fast paradox, dürfte Fans und Verantwortlichen des FC Schalke 04 vergangene Woche ihre Gefühlswelt vorgekommen sein. Schließlich musste man fast zwangsläufig auf einen Sieg des ungeliebten Erzrivalen Borussia Dortmund hoffen. Zudem mussten die Bayern aus königsblauer Sicht ihre Aufgabe gegen den SV Werder erfüllen.

Offenbar wurden die Schalker Gebete erhört. Und als Finalgegner des DFB-Pokals wurden der BVB und die Bayern gelost. Das Losglück der Schalker bedeutet gleichzeitig, dass Platz sieben in der Bundesliga für die Qualifikation zur Europa League reicht. Um den heimischen Wohnzimmertisch wird aber insbesondere einer getanzt sein: Christian Heidel.

Innere Friedenskonferenzen bei Heidel

Auch beim Interessenskonflikt des 52-Jährigen sorgten die Berliner Friedenskonferenzen für eine innere Lösung. Noch ist Heidel Manager von Mainz 05. Die Rheinhessen sind sein Baby, eine Herzensangelegenheit. Unbedingt will er sich mit der Qualifikation für Europa aus Mainz verabschieden. Gleichzeitig hofft er, dass sein designierter Arbeitgeber Schalke, das mit den ‚05ern‘ die Plätze sechs und sieben belegt, international vertreten ist. Das ist sportlich schließlich um ein Vielfaches attraktiver. Und macht seine Akquise bei der Kaderplanung signifikant komfortabler.

Gleich zu seinem Amtsantritt in Gelsenkirchen steht Heidel vor dem Umbruch. „Schalke wird eine große Herausforderung. Aber eine einfache Aufgabe hätte mich nicht gereizt“, weiß der Manager der ‚Bild’ zu berichten. Marco Höger (1. FC Köln) und Joel Matip (FC Liverpool) sind bereits weg. Als Matip-Ersatz wird Nicolas N’Koulou hochgehandelt, dem nach FT-Infos bereits ein unterschriftsreifer Vertrag vorgelegt wurde.

Ausmisten im großen Stil

Gehen muss der Journaille zufolge auch mindestens einer der drei Ersatztorhüter: Michael Gspurning, Fabian Giefer oder Timon Wellenreuther (aktuell nach Mallorca verliehen). Gleiches gilt für die beiden Linksverteidiger Sead Kolasinac und Dennis Aogo. Der Bosnier bekundete zuletzt, er plane seine Zukunft bei S04.

Zudem plane Schalke ohne Roman Neustädter, dessen Vertrag ausläuft. Auch die beiden Leihspieler Kaan Ayhan (Eintracht Frankfurt) und Donis Avdijaj (Sturm Graz) dürften von Vereinsseite aus gehen. Pierre-Emile Höjbjerg, der als möglicher langfristiger Höger-Ersatz gehandelt wurde, soll nach München zurückkehren.

Größter Umbruch im Sturm

Der größte Umbruch aber steht im Angriff bevor. Allen voran Klaas-Jan Huntelaar müsse von der Gehaltsliste gestrichen werden. Rund sieben Millionen Euro zahlt S04 seinem Stürmerstar jährlich. Das Geld wolle Heidel anders einsetzen. Ajax Amsterdam gilt als Interessent. Verlassen darf den Revierklub bei einem passenden Angebot auch Sechs-Millionen-Flop Franco Di Santo. Für Sidney Sam, der eine weitere Saison enttäuscht, ist im Sommer wohl ebenfalls endgültig Schicht im Schacht.

Offen sei derzeit noch die Zukunft bei Younhes Belhanda, Marvin Friedrich, Atsuto Uchida, Sascha Riether, Christian Clemens, Eric Maxim Choupo-Moting und Felix Platte. Bleibt für Heidel noch die Trainerfrage zu beantworten. Wenig spricht dieser Tage für einen Verbleib von André Breitenreiter. Der Ernst-Kuzorra-Weg scheint für Markus Weinzierl geebnet.