Viele Experten schauten doch ein wenig verdattert drein, als der FC Bayern mit Juli den Transfer von James Rodríguez offiziell verkündete. Es war wohl in erster Linie Carlo Ancelotti, der die Verpflichtung seines früheren Schützlings initiiert hatte. Eines Spielers, dessen Stärken im Zentrum liegen, wo er mit seinem fulminanten linken Fuß Chancen kreieren und selbst vollenden kann.

Eigentlich – ein flüchtiger Blick in den Kader genügt – liegt die Problemzone der Bayern auf den offensiven Außenbahnen. Abgesehen von den beiden Altmeistern Arjen Robben und Franck Ribéry bringt lediglich Kingsley Coman die fußballerischen Voraussetzungen mit, um im Eins-gegen-Eins gefährliche Situationen heraufzubeschwören. Douglas Costa, ebenfalls ein feiner Dribbler, wurde an Juventus Turin abgegeben – atmosphärische Störungen sollen eine Rolle gespielt haben.

Nun muss Neu-Trainer Jupp Heynckes mindestens bis zum Winter – voraussichtlich aber die gesamte Saison – mit dem vorhandenen Personal auskommen. Das ist vor allem vor dem Hintergrund sehr mager, da Heynckes das Flügelspiel bevorzugt. In der Triple-Saison 2012/13 waren es vor allem Robben und Ribéry, die über weite Strecken den Unterschied ausmachten.

Möglichkeiten waren vorhanden

Nun wusste man zwar vor der Saison noch nicht, dass Don Jupp plötzlich wieder in der Verantwortung stehen würde. Dennoch ist es insbesondere mit Blick auf den Costa-Abschied umso unverständlicher, dass Serge Gnabry umgehend an Hoffenheim weiterverliehen wurde. Schließlich waren Verletzungen von Robben und Ribéry quasi vorhersehbar – Gnabry hätte somit auch in München die realistische Aussicht auf regelmäßige Einsätze gehabt.

Andere gehandelte Außenstürmer wie Leroy Sané, der 2016 nicht noch ein Jahr auf die Bayern warten wollte, oder auch Julian Brandt ließen sich die Bayern ebenfalls mehr oder weniger leichtfertig durch die Lappen gehen. Alexis Sánchez war den Verantwortlichen aus verständlichen Gründen im Unterhalt zu teuer.

Die Quittung könnte der FCB spätestens in der Rückrunde erhalten, wenn es in die entscheidende Saisonphase geht. Sollte dann einer der Flügelspieler ausfallen, kommt Heynckes in die Bredouille. Der relativ behäbige James und der ebenso nicht für seinen brachialen Antritt bekannte Thomas Müller müssten nach außen ausweichen. Gegen tiefstehende Gegner würden dann die Möglichkeiten fehlen, Spielsituationen durch ein Dribbling erfolgreich aufzulösen.

2018 muss etwas passieren

Klar ist: Spätestens im kommenden Sommer muss man Versäumtes nachholen. Denn es ist noch nicht sicher, inwieweit das Duo Robben/Ribéry auch 2018/19 noch das Trikot der Bayern tragen wird. Gnabry dürfte nicht der einzige Neue für die Außen bleiben – sofern man in München die richtigen Schlüsse aus der aktuellen Situation zieht.