Christian Heidel muss sich der Kritik erwehren, seine Personalpolitik sei eine Gefahr für die Identität des FC Schalke 04. Insbesondere den Transfer von Benedikt Höwedes lasten die Fans ihrem Sportvorstand an, der 2016 sein Amt bei Königsblau aufgenommen hatte. Auch Fan-Lieblinge wie Klaas-Jan Huntelaar und Atsuto Uchida mussten in Heidels Ägide gehen.

Beim 3:1-Erfolg gegen den VfB Stuttgart präsentieren die Anhänger von S04 Transparente mit den Aufschriften: „70 Millionen ausgegeben – dafür 70 Prozent der Identität verloren.“ Oder: „Die Wurzeln achten – und nicht vernichten.“ Im ‚kicker‘ hat sich Heidel nun zu den Vorwürfen geäußert und sich gerechtfertigt.

Klar werde ich mit den Fans reden, die diese Bedenken haben. Weil es mir ein Bedürfnis ist, ihnen zu erklären, was wir vorhaben und warum wir welche Entscheidungen treffen“, sagt der ehemalige Mainzer.

„Sehe mich als Entwickler“

Die Unterstellung, er sei ein „Identifikationsschänder“, empfinde er als unfair: „Ich glaube, dass sie mich falsch einschätzen. Ich sehe mich als einen großen Beschützer der Schalker Identität. Wir investieren derzeit viel Geld in Infrastrukur für die Zukunft und den Nachwuchs. Deshalb hat es mich schon gewundert, dass ausgerechnet ich als Identitätsschänder bezeichnet wurde.“

Wie das Fachmagazin ausführt, wurde in den vergangenen Jahren tatsächlich versäumt, die Infrastruktur rund um das Gelände des Revierklubs auszubauen. Bis zu 70 Millionen Euro werden dafür fällig.

Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich mich als Entwickler sehe. Ich will versuchen, dass Schalke auch in einer komplett veränderten Fußballwelt nachhaltig Erfolg hat“, rechtfertigt sich Heidel. Und Erfolg ist häufig eine Frage der Geduld, gerade in Zeiten großer Umbrüche. Doch Geduld ist bekanntermaßen ein rares Gut auf Schalke.

Umbruch von oben erwünscht

Dabei, so der ‚kicker‘, sei dieser Umbruch implizit von der Vereinsführung um Clemens Tönnies gewünscht worden. Nur muss Heidel aktuell den Kopf dafür hinhalten. Der Umbruch „ist notwendig, weil sich der Fußball völlig verändert hat. Ohne ein Umdenken ist die Gefahr groß, zukünftig den Anschluss zu verlieren. In den vergangenen Jahren wurde hier wenig in die Infrastruktur investiert, sondern eher in Personal“, erläutert der kritisierte Manager.

Eine gewichtige Rolle in Heidels königsblauen Visionen spielt selbstredend auch die die Knappenschmiede, Schalkes Aushängeschild. Obwohl die Fans dem 54-Jährigen auch vorwerfen, nicht ausreichend auf junge Talente aus dem eigenen Nachwuchs zu setzen. Er würde sie entweder verkaufen oder verleihen, wie etwa bei Luke Hemmerich oder Haji Wright.

Auch wenn wir einen kleinen Kader haben, können wir doch nicht vier eigene Talente mit dazunehmen, von denen wir wissen, dass sie nicht spielen werden. Da ist es doch besser, sie auszuleihen. Wie Haji Wright und Luke Hemmerich“, begründet Heidel die Leihen an den SV Sandhausen respektive den VfL Bochum.

Ideen und Visionen hin oder her. Messen lassen muss sich Heidel in der immer schneller werdenden Fußball-Landschaft letztlich an den Ergebnissen. Stimmen die, wird die Kritik abebben. Andernfalls werden die Vorwürfe des Identitätsraubs die Veltins Arena weiter fluten. Ein Szenario, das Heidel wohl schwerlich überstehen würde.