Zwei mickrige Bundesliga-Törchen – eines davon auch noch der Ehrentreffer beim 1:4 gegen Düsseldorf am elften Spieltag. Die Torquote, die naturgemäß wichtigste Statistik eines Stürmers, liest sich im Falle von Davie Selke nicht nur mäßig, sondern enttäuschend. Daran ändert auch sein 2:2-Ausgleich nichts, mit dem Hertha BSC im Pokal den FC Bayern in die Verlängerung zwang.

Richtig paradox wird es dann für denjenigen, der Selkes jüngste Entwicklung nicht verfolgt hat, wenn er die Aussage von Michael Preetz über dessen Erben im Berliner Sturm zu Ohren oder Augen bekommt: „Wenn Davie diese Top-Leistung dauerhaft abrufen kann, ist es nur eine Frage der Zeit bis er Nationalspieler wird.“ Bitte was?

Nicht auf Tore reduzierbar

Worte, die Preetz kurz nach Herthas 3:0-Auswärtssieg gegen Borussia Mönchengladbach in das Aufnahmegerät der Kollegen von ‚Bild‘ sprach. Selke markierte dort das zweite seiner beiden Bundesliga-Tore und gab eine Vorlage. So weit, so gut. Aber muss direkt die Rede von der DFB-Elf sein?

Muss nicht, aber kann. Denn was für Selkes Saison gilt, lässt sich auch über das Spiel im Borussia-Park sagen: Auf Tore nicht reduzierbar. Sein Wert für den Hauptstadtklub geht weit über die erzielten Buden hinaus. Knipsen können für die Alte Dame eben genauso gut auch Vedad Ibisevic (acht Tore), Salomon Kalou (drei Tore) oder Herthas Toptorjäger Ondrej Duda (zehn Tore).

Paradoxe Statistiken

Was Selke im Moment vielleicht von allen genannten Akteuren unterscheidet, lässt sich kaum anhand der Standard-Statistiken belegen: 10,37 Kilometern Laufleistung in Gladbach sind eher durchschnittlich, 35 Ballkontakte sogar verblüffend wenig, ebenso wie acht angekommene Pässe und ein einziger schüchterner Torschuss. Ganz ähnlich fielen seine Werte schon im Pokal gegen Bayern aus.

Wer Selkes Bedeutung auf die Spur kommen will, muss sich seine 90 Minuten schon in Gänze anschauen. Dabei fällt auf, dass der 24-Jährige in vielen Situationen ein glückliches Händchen beweist. Er läuft sich nicht unüberlegt die Lunge aus dem Leib, sondern zieht meist dann an, wenn die Situation Erfolg verspricht. Exemplarisch das Laufduell mit Matthias Ginter, dem Selke mit Siebenmeilenstiefeln entwischte, bevor er Ondrej Duda zum 2:0 assistierte.

Effizienz

Effizienz ist das Zauberwort. Passenderweise hat dem gebürtigen Schorndorfer eben jener erwähnte Torschuss gereicht, um sich in die Torschützenliste einzutragen. Aber Effizienz muss sich nicht allein in Toren niederschlagen: Ganze acht Torvorlagen stehen für Selke zu Buche. Mit den drei Toren zusammen sind es nun elf Scorerpunkte in den vergangenen 14 Pflichtspielen. Diese Statistik liest sich dann schon nicht mehr so mickrig.