Auf der ersten Pressekonferenz als Tottenham-Coach zeigte sich José Mourinho ungewohnt von seiner demütigen Seite. Seine ersten Worte richtete er an Ex-Coach Mauricio Pochettino: „Zuallererst denke ich, dass ich es tun muss. Mit einer gewissen Traurigkeit muss ich über Mauricio sprechen. Ich danke ihm für die Arbeit, die er gemacht hat.“

Auch dank seines Vorgängers sei „das Potenzial der Spieler groß“ und Mourinho habe „einen großartigen Job“ in seinen Händen. Der Portugiese kündigte ebenfalls an, keine drastischen Veränderungen vorzunehmen: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich kommen kann und in zwei oder vier Tagen die Dinge ändern kann, die ich nicht so gut kenne. Ich habe keine große Erfahrung darin, Teams mitten in der Saison zu übernehmen. Es ist erst das zweite Mal, dass ich das mache.“

Der aktuelle Kader sei jedoch gut genug, dass im Januar nicht großartig nachjustiert werden muss. „Das beste Geschenk sind die Spieler, die hier sind. Ich brauche keine neuen Spieler. Ich muss diese hier nur besser kennenlernen. Ich kenne sie gut, aber man kennt sie nie gut genug, bis man sie trifft“, so Mourinho.

Viele Baustellen für The Humble One

Auf die Reporterfragen gab sich The Special One äußerst reflektiert und ließ durchblicken, dass ihm die Auszeit nach seiner Entlassung bei Manchester United gutgetan hat: „Ich habe immer gedacht, dass diese elf Monate keine Zeitverschwendung waren. Es waren Monate zum Nachdenken, Analysieren und Vorbereiten. Ich bin stärker geworden, emotional gesehen.“

Vor allem die teils ungewohnt bedachten Aussagen des 56-Jährigen verhalfen ihm in der englischen Presse noch während der Pressekonferenz zu einem neuen Spitznamen: „The Humble One“. Doch so demütig sich Mourinho auch vor den Medien präsentierte, bei den Spurs gilt es einige Baustellen zu bearbeiten, die teilweise auch hartes Durchgreifen erfordern.

Da wäre zum einen die ungeklärte Situation um einige Stammspieler. Kapitän Hugo Lloris soll angeblich bereits im Winter durch Ajax-Schlussmann André Onana ersetzt werden. Die Vertragssituation bei etlichen Stammspielern wie beispielsweise Christian Eriksen schwebt wie ein Damoklesschwert über der Kaderatmosphäre. Dazu muss Mourinho Topstar Harry Kane bei Laune halten, um den sich die ersten Abschiedsgerüchte ranken.