Der türkische Fußball rutscht immer weiter in die Bedeutungslosigkeit ab. Galatasaray, Fenerbahce, Besiktas und Trabzonspor sind allesamt ein Schatten vergangener Tage. Wo sind die schönen Tage hin, als die Teams noch wacker gekämpft haben, fragen sich nicht wenige Fußballfans. Damals haben die Spieler technisch gut gespielt und hatten auch mal hier und da Überraschungen zu bieten. Letztendlich haben die Mannschaften häufig glücklos verloren. Sie haben jedoch das Beste aus ihren Möglichkeiten gemacht. Heute jagt eine Niederlage die nächste und es gibt keine Aussicht auf Besserung.

Dabei beginnt der rote Faden der Erfolglosigkeit bei den Klubmannschaften und er durchzieht sämtliche Ligen bis hin zur Nationalmannschaft. Die Milli Takim, wie die Nationalelf in der Türkei genannt wird, hat bereits den fußballerischen Karren in den Dreck gefahren, indem sie den Start in die EM-Qualifikation für 2016 verstolpert hat. Das Resultat ist der letzte Platz in der Tabelle. Das Überstehen der Qualifikationsrunde ist somit in weite Ferne gerückt. Die türkischen Spieler können die an sie gestellten Anforderungen nicht erfüllen. Das hat verschiedene Ursachen.

Neue Ausländerregelung als Lösung?

Bei Erfolglosigkeit zeigt man in der Türkei schnell in Richtung des Fußballverbands (TFF). Dieser soll die Vereine durch seine restriktive Ausländerregel geschwächt haben. In der Saison 2013/2014 wurde die Anzahl nicht türkischer Spieler pro Team bereits auf 10 begrenzt. In der aktuellen Saison 2014/2015 sank die Anzahl erneut, nun auf acht Profis. Sie wird als 5+3-Formel bezeichnet. Fünf nichttürkische Spieler sind auf dem Feld erlaubt, drei ausländische Spieler dürfen auf der Ersatzbank Platz nehmen.

Natürlich müssen sich die Vereine fragen lassen, warum sie nicht erfolgreicher gespielt haben, als sie noch frei schalten und walten konnten. In diese Richtung vermeiden die Klubs jedoch jegliche Diskussion. Sie haben sich in Jahren der Misswirtschaft ins Abseits manövriert und suchen jetzt einen Sündenbock. Der Verband soll an der eigenen Erfolglosigkeit schuld sein. Das ist eine sehr einseitige Betrachtung der Situation im türkischen Fußball und wird dem Ernst der Lage nicht gerecht.

Würde man den Klubs freie Hand lassen, dann würden sie wohl weiterhin endlos ausländische Spieler erwerben. Das haben sie in der Vergangenheit bereits getan. Oft wurden alte Profis mit schillernden Namen verpflichtet, damit sich die Vereinsführung mit stolzer Brust zeigen konnte. Jedoch waren diese Spieler bereits über ihren Zenit hinaus und konnten der türkischen Elf nicht wirklich zum Erfolg verhelfen. Das Geld war jedoch ausgegeben und die Verschuldung des Vereins wuchs.

In der Türkei traut man den eigenen Trainern nicht viel zu. Lieber kaufen die Vereine mehr oder weniger erfolgreiche ausländische Trainer ein. Diese beschweren sich dann über die Kaderqualität und fordern neue ausländische Spieler. Erneut werden vor allem mittelklassige Spieler gekauft und dann spielen diese in der türkischen Liga mehr schlecht als recht. Türkische Profis haben dann, bis auf wenige Ausnahmen, oftmals nur eine Funktion als Füllmaterial inne. Sie besetzen Positionen, für die sich niemand anderes finden konnte. Das Resultat ist jedoch, dass türkische Spieler nicht mehr gefördert werden und keine Spielpraxis gewinnen. Werden sie dann in die Nationalmannschaft eingeladen, sind sie überfordert. So erklärt sich auch die Schwäche der Milli Takim und auch, warum der türkische Fußballverband handeln musste.

- Türkischer Fußball: Erfolg lässt sich nicht kaufen (2/2)




Davut Çöl ist Autor des Buches „Nicht gut genug. Die 24 Schwächen der türkischen Fußballnationalelf“, in dem er die Defizite des türkischen Fußballs analysiert hat. Mehr über seine Veröffentlichung auf www.nicht-gut-genug-buch.de.