Leipzigs Versäumnis im Angriff

Seit dem Abgang von Timo Werner sucht RB Leipzig nach einem treffsicheren Stürmer. Die Lösung über das Kollektiv scheint in den großen Spielen nicht auszureichen.

Alexander Sörloth kam für 20 Millionen Euro zu RB Leipzig
Alexander Sörloth kam für 20 Millionen Euro zu RB Leipzig ©Maxppp

Im gestrigen Champions League-Spiel gegen den FC Liverpool (0:2) verbuchte RB Leipzig mehr Torschüsse, mehr Angriffe und mehr Eckbälle als der Gegner aus England. Genutzt hat es nichts. Noch immer ist es den Leipzigern nicht gelungen, den Abgang von Timo Werner (24) zum FC Chelsea zu kompensieren. Der deutsche Nationalspieler war der beste Torjäger im Team und hatte erheblichen Anteil am Emporkommen der Leipziger.

Unter der Anzeige geht's weiter

Ein möglicher Nachfolger wäre Patrik Schick (25) gewesen, doch der bis zum vergangenen Sommer ausgeliehene Stürmer war den Leipzigern zu teuer. Nun spielt er beim direkten Konkurrenten Bayer Leverkusen. Verpflichtet wurde stattdessen Alexander Sörloth (25), der bislang noch in keiner Topliga überzeugen konnte und lediglich 6,5 Millionen Euro günstiger war. Eine fragliche Entscheidung, auf den Norweger zu setzen, der auch in Leipzig noch in der Bringschuld ist.

Poulsen kein Torjäger, Hwang spielt keine Rolle

Yussuf Poulsen (26) hat seine Qualitäten, ihm fehlt es aber an Torgefährlichkeit. Seit einer gefühlten Ewigkeit steht der Däne in Diensten von RB. Zu seinen Stärken zählen aggressives Pressing, das Festmachen von Bällen in der gegnerischen Hälfte oder auch das Schaffen von Räumen durch intelligente Laufwege. Doch für wen soll Poulsen Räume schaffen, wenn neben ihm kein Strafraumstürmer aufläuft, der diese so ausnutzt, wie es Werner tat?

Mit Hee-chan Hwang (25) verpflichtete Leipzig einen weiteren Angreifer. Sein Profil ähnelt dem von Werner. Er ist schnell und bietet Läufe in die Tiefe an. Leider ist der Südkoreaner noch gar nicht in Leipzig angekommen. 142 Spielminuten in der Bundesliga stehen auf seinem Konto. Zu wenig, um sich zu integrieren und seine Stärken zum Wohl der Mannschaft einzubringen.

Taktische Kniffe reichen nicht für CL

In den Topspielen der Bundesliga und der Champions League verzichtet Julian Nagelsmann meistens auf einen der drei Stürmer in seiner Startelf. Oft sind es Emil Forsberg (29), Dani Olmo (22) oder Christopher Nkunu (23) – allesamt Mittelfeldspieler – die vorne aufgestellt werden. Die Lösung über taktische Maßnahmen und einer Überladung der Flügel ist in der Liga wirksam, scheint aber für die europäische Spitze nicht auszureichen, wie die Begegnung mit Liverpool aufzeigte.

Nach FT-Infos könnte ab Sommer Brian Brobbey (19) von Ajax Amsterdam Abhilfe schaffen. Der Mittelstürmer aus den Niederlanden hat eine enorme Strafraumpräsenz und bringt die nötigen Abschlussqualitäten mit. Man sollte dem jungen Angreifer jedoch nicht die gesamte Offensivlast auf die Schultern legen. Mit lediglich fünf Kurzeinsätzen in der Eredivisie fehlt Brobbey noch die Erfahrung, um in Spielen wie gegen Liverpool den Unterschied auszumachen.

Weitere Infos

Kommentare