Jeder kennt sie, jeder hat sie verflucht: Die Kumpels, die beim Bundesliga-Manager mehrere Vereine übernahmen, um einen Klub zu pushen und so möglichst schnell an die Spitze zu klettern. „Das ist ja total unrealistisch“, argumentierte man, wenn es um das Für und Wider dieser fragwürdigen Taktik ging. Doch inzwischen haben sich die Voraussetzungen im Profifußball geändert.

Öl-Scheichs oder andere Milliardäre drängen seit Jahren vermehrt in das Fußballgeschäft und führen teilweise die jahrelange ehrliche Arbeit von anderen Klubs ad absurdum. Die besten Beispiele sind Paris St. Germain, Manchester City und der FC Chelsea. Doch es ist das eine, Geld in einen Verein zu pumpen, um diesen schnell an die Spitze zu bringen. An dieses Gebahren hat man sich als Fußball-Fan ja schon fast gewöhnt.

Noch problematischer und zwielichtiger wird es, wenn einer Firma oder einem Mäzen gleich mehrere Vereine gehören. Der Vetternwirtschaft sind so Tür und Tor geöffnet. Nehmen wir den italienischen Geschäftsmann Giampaolo Pozzo als Beispiel. Der 73-Jährige ist seit 1986 Besitzer von Udinese Calcio. In den Jahren 2009 und 2012 kaufte Pozzo dann auch den FC Granada in Spanien und den FC Watford in England.

Seitdem wechseln zahlreiche Profis aus aller Herren Länder halbjährlich munter zwischen den drei Vereinen hin und her. Allein im Sommer 2013 transferierte Pozzo sage und schreibe acht Profis von Udinese nach Watford. Der Deutsch-Kasache Alexander Merkel und der Schwede Mathias Ranégie folgten in der Winterpause. Pozzos Ziel ist es, die Fußballer in das jeweilige Schaufenster zu stellen, um sie anschließend mit möglichst großem Gewinn zu veräußern. Zweifelsohne keine Vorgehensweise, die dem Fußball-Liebhaber besonders gefallen wird. Debatten über Pozzos Geschäfte gibt es aber kaum. Grund wird der mangelnde Erfolg bei allen drei Klubs sein.

Salzburg als Farmteam für Leipzig

Anders könnte dies in Zukunft bei RB Leipzig aussehen. Der Zweitligist wird über kurz oder lang den Weg in die Bundesliga finden. Gelingt dies schon im kommenden Sommer, werden die ersten Profis vom Red Bull-Partnerverein aus Salzburg nach Leipzig wechseln. Daraus macht Sportdirektor Ralf Rangnick gar keinen Hehl. „Einige Spieler, die jetzt noch in Salzburg spielen, werden im nächsten Sommer nicht mehr dort sein, sollten sie sich als klare Verstärkung für Leipzig erweisen“, kündigte Rangnick kürzlich an.

Er denkt dabei beispielsweise an Offensivmann Kevin Kampl und Abwehrspieler André Ramalho, die nur mit der Aussicht auf ein baldiges Engagement beim Bundesliga-Klub RB Leipzig in Salzburg gehalten werden konnten. Selbst ein vorzeitiger Transfer im kommenden Januar ist nicht ausgeschlossen, könnte man dadurch die Aufstiegschancen von RB Leipzig verbessern.

Doch was, wenn Salzburg dann in der nächsten Saison in Schieflage gerät? Wechseln dann im Winter wieder einige Spieler von Leipzig nach Österreich, um dem Klub kurzfristig zu helfen? Ähnliches passiert schon bei Manchester City, die in den Genuss von Frank Lampard kamen, weil der Wechsel des Mittelfeldspielers zum New York City FC erst für den Saisonbeginn der Major League Soccer im neuen Jahr geplant war. Eine schlimme Entwicklung für jeden Fan und die Manager der Vereine, die mit herkömmlichen Mitteln ums Überleben kämpfen.

Red Bull will darüber hinaus offenbar noch weitere Filialen aufmachen. Dem englischen Zweitligisten Leeds United soll ein Angebot zur Übenahme unterbreitet worden sein. Doch Besitzer Massimo Cellino lehnte ab: „Ich bin nicht hierher gekommen und habe den Klub gekauft, um ihn nach sechs Monaten wieder zu verkaufen. Das wäre ein Witz“. Einen anderen Verein zu finden dürfte für Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz aber nur eine Frage des Geldes sein.

Es bleibt zu hoffen, dass die Verbände Mittel und Wege finden, um die sich entwickelnde Vetternwirtschaft frühzeitig zu verhindern. Ansonsten droht eine Wettbewerbsverzerrung, die früher höchstens am eigenen PC denkbar war. Und die dem Spiel damals schon den Reiz genommen hat.