Seit 1998 bestreitet Japan in Brasilien die fünfte Weltmeisterschaft in Serie. Umso bemerkenswerter ist diese Konstanz vor dem Hintergrund, dass sich die Asiaten bis dahin nicht einmal qualifiziert hatten. Die Aufmerksamkeit für den neuen Volkssport ist seitdem riesig. Dazu hat auch die J-League mit Stars wie Pierre Littbarski oder Guido Buchwald beigetragen. Zum Leidwesen der teilweise recht schüchternen Sportler ist mit dieser Begeisterung aber auch die Erwartungshaltung gestiegen, die durch die Klasse der Mannschaft nur bedingt gerechtfertigt wird.

Natürlich hat Trainer Alberto Zaccheroni auch bei der kommenden WM wieder einige Edeltechniker in seinem Kader. Shinji Kagawa (Manchester United) oder auch Keisuke Honda (AC Mailand) können an guten Tagen den Unterschied machen, zumal sie Teil eines sehr gut funktionierenden Kollektivs sind. Doch beide blicken nicht eben auf eine herausragende Saison zurück. Das traditionell nicht besonders ausgeprägte Selbstvertrauen der Japaner könnte darunter durchaus leiden.

Taktisch pendelt sich Zaccheronis Team je nach Gegner irgendwo zwischen 4-2-3-1 und 4-4-2 ein. Personell ergeben sich dabei kaum Unterschiede, denn der Kader ist vor allem in der Offensive nicht besonders tief. Bei Ballbesitz, den Japan grundsätzlich anstrebt, schieben sich alle fünf Mittelfeldspieler eng zusammen und suchen in der Zentrale die entscheidende Lücke. Auf Flanken von den Außenbahnen zu setzen, würde ohnehin kaum Sinn machen, denn Shinji Okazaki als einziger echter Abnehmer ist lediglich 1,74 Meter groß.

Chancen auf das Achtelfinale

In der Gruppe C mit Kolumbien, der Elfenbeinküste und Griechenland brauchen sich die Japaner keinesfalls zu verstecken. Vor allem spielerisch sind die Asiaten mindestens konkurrenzfähig. Zu beobachten bleibt, wie sie ihre athletischen Defizite kompensieren können. Darüber hinaus sind Kagawa, Okazaki und Co. nicht gerade mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein gesegnet. Gegen stolze Kolmbianer, ausgebuffte Griechen und entkrampfte Ivorer könnte dies ein Nachteil sein.

Die Stars

Shinji Kagawa (25/Manchester United): Der ehemalige Dortmunder blickt auf eine verkorkste Saison zurück – sowohl aus persönlicher als auch aus Vereinssicht. Kam Kagawa bei United zum Einsatz, musste er fast ausschließlich über die ungeliebte linke Außenbahn agieren. Bei Nippon hingegen rückt der wendige Rechtsfuß wesentlich weiter nach innen, auch wenn er in der taktischen Formation von Zaccheroni defensiv nach links ausweicht. Auf seine Dribblings, seinen Torriecher und den Blick für den besser postierten Mitspieler ist Japans Offensivspiel dringend angewiesen. Kann Kagawa seine Sorgen aus dem Verein über Bord werfen, könnte es seine WM werden.

Keisuke Honda (27/AC Mailand): Der extrovertierteste aller Japaner spielt seit dem Winter beim AC Mailand. Gemeinsam mit Kagawa ist er zuständig für die kreativen Momente im schnellen Kurzpassspiel der Asiaten. Sein linker Fuß zählt zum Besten, was der internationale Fußball zu bieten hat. Problematisch könnte allerdings sein Auftreten innerhalb des Teams werden, wo er als Eigenbrötler verschrien ist. Dennoch hofft eine ganze Nation vor allem auf seine fußballerische Klasse.

Shinji Okazaki (28/Mainz 05): Sage und schreibe 15 Treffer hat der kleine Rechtsfuß in der abgelaufenen Bundesligasaison für die Mainzer erzielt. Dabei gefiel Okazaki nicht nur mit seinem goldenen Näschen, sondern auch fußballerisch. Entsprechend groß sind die Erwartungen der Japaner. Kann der ehemalige Stuttgarter seine Ausnahmeform konservieren, ist für Nippon das Achtelfinale machbar.

Die mögliche Aufstellung

Das WM-Aufgebot

Tor: Elij Kawashima (Standard Lüttich), Shusaku Nishikawa (Urawa Red Diamonds), Shuichi Gonda (FC Tokio)

Abwehr: Yasuyuki Konno (Gamba Osaka), Masahiko Inoha (Jubilo Iwata), Yuto Nagamoto (Inter Mailand), Masato Morishige (FC Tokio), Atsuto Uchida (Schalke 04), Maya Yoshida (FC Southampton), Hiroki Sakai (Hannover 96), Gotoku Sakai (VfB Stuttgart)

Mittelfeld: Yasuhito Endo (Gamba Osaka), Makoto Hasebe (1. FC Nürnberg), Toshihiro Aoyama (Sanfrecce Hiroshima), Hotaru Yamaguchi (Cerezo Osaka), Shinji Kagawa (Manchester United), Hiroshi Kiyotake (1. FC Nürnberg)

Angriff: Shinji Okazaki (Mainz 05), Yolchiro Kakitani (Cerezo Osaka), Yoshito Okubo (Kawasaki Frontale), Keisuke Honda (AC Mailand), Manabu Saito (Yokohama Marinos), Yuya Osako (1860 München)



Gruppe A:

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Gruppe B:

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Gruppe C:

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Gruppe D:

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Gruppe E:

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