Die griechischen Fans sind seit dem ‚Wunder von Lissabon‘, als Angelos Charisteas die ‚Blau-Weißen‘ um Trainer Otto Rehhagel mit seinem Tor gegen Gastgeber Portugal in den Fußball-Olymp erhob, nicht gerade vom Erfolg verwöhnt worden. Das Erreichen des Viertelfinals bei der vergangenen Europameisterschaft gegen die deutsche Elf (2:4) markiert das beste Abschneiden einer griechischen Elf bei einem großen Turnier in den letzten zehn Jahren. Die Bilanz bei Weltmeisterschaften ist sogar noch ernüchternder: Bei bisher lediglich zwei Teilnahmen (1994, 2010) war für die Griechen jeweils in der Vorrunde Schluss, vor vier Jahren sprang zumindest der erste WM-Sieg heraus (2:1 gegen Nigeria).

Die Qualifikation zur diesjährigen Weltmeisterschaft gelang Griechenland erst über den Umweg Relegation. In der Quali-Gruppe hatte man trotz acht Siegen aus zehn Partien aufgrund des schlechteren Torverhältnisses (12:4) knapp das Nachsehen hinter der punktgleichen Elf von Bosnien und Herzegowina. Womit auch die Stärken und Schwächen der griechischen Elf deutlich werden: Während man defensiv weitestgehend sicher steht und wenig zulässt, geht nach vorne trotz einiger in ihren Vereinen treffsicherer Stürmer nicht viel bei ‚Hellas‘. Der 3:1-Erfolg im Relegationshinspiel gegen Rumänien war da eher eine Ausnahme.

Coach Fernando Santos, der nach der WM aus dem Amt als Nationaltrainer ausscheiden wird – unter anderem wird Lothar Matthäus als Nachfolger gehandelt –, lässt seine Elf vornehmlich in einem 4-3-2-1-System agieren, in dem auch die Stürmer verstärkt nach hinten arbeiten müssen. Häufig zulasten der hellenischen Offensivstärke.

Nur ein Bundesliga-Legionär

Mit Abwehrchef Sokratis von Borussia Dortmund steht lediglich ein Bundesliga-Legionär im Aufgebot. Kostas Fortounis von Zweitligist Kaiserslautern schaffte zwar den Sprung in den vorläufigen Kader, wurde aber bei der Reduzierung des 30-Mann-Kaders auf 23 Spieler nicht mehr berücksichtigt. Daneben können auch José Holebas (ehemals 1860 München), Alexandros Tziolis (Bremen) und Theofanis Gekas (Bochum, Leverkusen, Hertha BSC, Frankfurt) Bundesliga-Erfahrung im Kader der Griechen vorweisen.

Für das diesjährige Turnier hofft man in Griechenland darauf, zum ersten Mal die Vorrunde überstehen zu können. Die Chancen könnten durchaus schlechter sein: Die ‚Ethniki‘ misst sich in der relativ ausgeglichenen Gruppe C mit Kolumbien, Japan und der Elfenbeinküste. Von Platz eins bis Platz vier scheint alles möglich, auch wenn Hellas Außenseiter ist. Viel wird daher von den Leistungsträgern der Griechen abhängen. Falls Sokratis, Mitroglou und Co. ihr Potenzial abrufen, ist die erste Achtelfinal-Teilnahme bei einer WM drin.

Die Stars

Sokratis (25/Borussia Dortmund): Der Innenverteidiger kann auf eine starke Spielzeit bei Borussia Dortmund zurückblicken. Der ehemalige Bremer war durch den verletzungsbedingten Ausfall von Neven Subotic über weite Teile der Saison Stammspieler und fährt mit viel Selbstvertrauen zur WM. Dort soll er die griechische Abwehr dirigieren und dafür sorgen, dass der hellenische Beton weiterhin so gut hält wie zuletzt in der Qualifikation.

Giorgos Karagounis (37/FC Fulham): Der Altmeister ist in Griechenland immer noch gefragt. Bei seinem aller Voraussicht nach letzten großen Turnier ist der Routinier trotz fehlender Spielpraxis im Klub immer noch ein wichtiger Baustein im zentralen Mittelfeld. Karagounis, der vor seinem England-Abenteuer bereits bei Inter Mailand und Benfica Lissabon internationale Erfahrungen sammeln konnte, wurde beim Premier League-Absteiger Fulham zuletzt jedoch kaum berücksichtigt. Es bleibt also abzuwarten, inwieweit der 132-malige Nationalspieler den Mangel an Spielpraxis bei der Weltmeisterschaft ausgleichen kann.

Kostas Mitroglou (26/FC Fulham): Der Stürmer hat einen besonderen Werdegang hinter sich. In Griechenland geboren wanderte er im Kindesalter mit seiner Familie nach Deutschland aus, wo er in den Jugendmannschaften des MSV Duisburg und Borussia Mönchengladbach spielte. Bei den ‚Fohlen‘ kam er auch in der zweiten Mannschaft zum Einsatz. Sein Durchbruch gelang Mitroglou aber erst nach seinem Wechsel in die Heimat. Bei Olympiakos Piräus reifte er zum Torjäger und wagte Anfang des Jahres den Sprung in die Premier League. Beim FC Fulham kam er jedoch verletzungsbedingt kaum zum Zug und konnte den Abstieg nicht verhindern. Ein Verbleib beim Klub von Felix Magath ist aber – gerade bei entsprechenden Leistungen bei der WM – unwahrscheinlich.

So könnten sie spielen

Das WM-Aufgebot

Tor: Panaglotis Glykos (PAOK Saloniki), Stefanos Kapino (Panathinaikos Athen), Orestis Karnezis (FC Granada)

Abwehr: José Holebas (Olympiakos Piräus), Kostas Manolas (Olympiakos Piräus), Sokratis (Borussia Dortmund), Vasilis Torosidis (AS Rom), Giorgios Tzavellas (PAOK Saloniki), Loukas Vyntra (Levante), Vangelis Moras (Hellas Verona)

Mittelfeld: Giannis Maniatis (Olympiakos Piräus), Lazaros Christodoulopoulos (FC Bologna), Ioannis Fetfatzidis (CFC Genua), Giorgos Karagounis (FC Fulham), Kostas Katsouranis (PAOK Saloniki), Panagiotis Kone (FC Bologna), Andreas Samaris (Olympiakos Piräus), Panagiotis Tachtsidis (FC Turin), Alexandros Tziolis (Kayserispor)

Angriff: Theofanis Gekas (Konyaspor), Kostas Mitroglou (FC Fulham), Dimitris Salpingidis (PAOK Saloniki), Giorgos Samaras (Celtic Glasgow)




Gruppe A:

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Gruppe B:

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Gruppe C:

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Gruppe D:

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