Zum zweiten Mal in Folge zog der VfL Wolfsburg in der Relegation gerade noch den Kopf aus der Schlinge. Zwei Siege gegen Holstein Kiel sorgten dafür, dass der abermalige Neustart in der kommenden Saison auf Bundesliga-Niveau durchgeführt werden kann. Federführend wird dabei Jörg Schmadtke sein.

Der im Oktober beim 1. FC Köln entlassene Ex-Keeper übernimmt beim VfL die seit dem Abschied von Klaus Allofs vakante Stelle des Geschäftsführer Sport. Und bekommt umfangreiche Kompetenzen und Budgets. Eigner Volkswagen sehnt sich nach prestigeträchtigen Champions League-Auftritten und wird deshalb spendabel.

Die Mischung macht’s

Der ‚Sport Bild‘ zufolge stellt der Automobilkonzern Schmadtke 100 Millionen Euro für die Umstrukturierung des Kaders zur Verfügung. Eine gesunde Mischung aus hochtalentierten Spielern und „werbeträchtigen Namen“ solle entstehen. Alte Zöpfe müssen dafür zwingend abgeschnitten werden.

Auf der Abschussliste stehen laut der Sportzeitschrift einst teure Neuzugänge wie Yunus Malli und Landry Dimata. Auch Top-Torschütze Daniel Didavi könnte der Zäsur zum Opfer fallen. Zu inkonstant sind die Leistungen des immer wieder verletzten Zehners. Divock Origis Ausleihe wird zudem nicht verlängert.

Das Gerüst steht

Andere Akteure sollen dagegen zu Säulen des Teams aufgebaut werden. Torhüter Koen Casteels spielte eine herausragende Saison. Der Belgier soll ebenso bleiben wie die Innenverteidiger John Brooks und Felix Uduokhai, an dem der BVB, Leipzig und Arsenal dran sind.

Eigengewächs Maximilian Arnold könnte zum neuen Kapitän befördert werden. Als Identifikationsfigur ist er genau wie Robin Knoche ein wichtiger Baustein. Und über die Flügel soll weiterhin Josip Brekalo wirbeln, der sich im Abstiegskampf als potenzieller Spielentscheider entpuppte.

Als einziger Neuzugang steht bislang Flügelspieler Felix Klaus fest, der für drei Millionen Euro aus Hannover kommt. Die Leihspieler Paul Seguin und Marvin Stefaniak könnten vorerst zurückkehren, so die ‚Sport Bild‘. Der Transfer von Amin Younes ist nach dem Aus von Ex-Manager Olaf Rebbe gescheitert.

Mittelstürmer gesucht

Bedarf besteht insbesondere im Offensivbereich. Als Kandidaten für das Sturmzentrum gelten unter anderem Alfred Finnbogason (FC Augsburg) und Niclas Füllkrug (Hannover 96). Die ‚Sport Bild‘ bringt auch Yussuf Poulsen ins Spiel. Seinen Stammplatz bei RB Leipzig hatte er jüngst verloren.

Für die Flügel haben die Wölfe dem Vernehmen nach Christian Fassnacht von den Young Boys Bern im Visier, müssen sich aber der Konkurrenz des Hamburger SV und von Eintracht Frankfurt erwehren. Auch um Mohamed Elyounoussi vom FC Basel gibt es Gerüchte. Der BVB ist ebenfalls dran. Ein weiterer Kandidat: Steven Skrzybski von Union Berlin.

Darüberhinaus beschäftigt man sich in der Autostadt auch mit den Personalien Benedikt Höwedes (von Schalke an Juventus verliehen) und Gonzalo Castro (BVB), so die ‚Sport Bild‘. Die beiden Ex-Nationalspieler haben bei ihren Klubs keinen einfachen Stand und kommen wohl auf den Markt. Ihre Erfahrung könnten beim Neustart helfen.

Labbadia-Zukunft unklar

Die wichtigste Entscheidung, die Schmadtke bevorsteht, ist jedoch die Besetzung des Trainerpostens. Laut ‚Bild‘ genießt Bruno Labbadia nach der geglückten Rettung mittlerweile ein gutes Ansehen bei der Mannschaft. Josuha Guilavogui meint: „Ich hoffe, dass der Trainer bleibt. Weil ich eine sehr gute Beziehung zu ihm habe.“

Auch Schmadtke gilt als Labbadia-Fan, wollte ihn vor seiner Entlassung beim Effzeh nach Köln lotsen. Der 54-Jährige kündigte bereits an, „den Status quo genau analysieren“ zu wollen. Labbadia betonte seinerseits, seine Mission noch nicht als beendet anzusehen. „Ich habe das hier nicht angenommen, um es dann an einen anderen abzugeben“, sagte er nach dem Kiel-Rückspiel.

Vorbehalte bei VW?

Vorbehalte gibt es jedoch innerhalb der Geschäftsführung und bei VW, berichtet die ‚Sport Bild‘. Dort plädiere man „intern für einen Neuanfang“. Als potenzieller Labbadia-Nachfolger nennt das Blatt Achim Beierlorzer von Jahn Regensburg. Letztlich obliegt die Entscheidung jedoch Schmadtke.

Dem neuen Sportchef steht eine Menge Arbeit ins Haus. Der Kader benötigt einen neuen Anstrich, der Trainer steht auf der Kippe und er selbst muss sich erst einmal mit Verein und Strukturen vertraut machen. Das 100-Millionen-Euro-Budget ist dabei eine sehr angenehme Starthilfe. Legt er sie geschickt an, geht es mit dem VfL zwangsläufig wieder bergauf.