Viel besser hätten sich die Verantwortlichen Saison eins nach der Ära Jürgen Klopp kaum ausmalen können. Thomas Tuchel hat den BVB in nahezu allen Belangen mindestens ein Stück weiter entwickelt. Sein Team spielt attraktiven, erfolgreichen Offensivfußball und besticht dabei insbesondere mit taktischer Variabilität. Findet die Borussia in Durchgang eins etwa keine Lösung, hat Tuchel diese in der Kabine parat. Das war unter Klopps aufopferungsvollem Gegenpressing eher selten der Fall.

Wären da nicht der FC Bayern und die zweite Halbzeit in Liverpool, die Saison der Schwarz-Gelben wäre perfekt. Aber so funktioniert sie nun einmal, die Hassliebe zwischen Fußball und Konjunktiv. In der Sommerpause steht Tuchel erneut vor einer großen Herausforderung. Diesmal muss er Eckpfeiler seiner mühselig gestalteten Mannschaft ersetzen.

BVB will weiter auf Talente setzen

Mats Hummels (FC Bayern) und Ilkay Gündogan (Manchester City) werden den BVB aller Voraussicht nach verlassen. Während der Abgang von Gündogan aufgrund der taktischen Polyvalenz seiner Mittelfeldspieler wohl kompensiert werden kann, wiegt vor allem der Verlust von Abwehrchef Hummels schwer. Der Kapitän ist gerade im Aufbauspiel der Fixpunkt des Dortmunder Spiels. Als mögliche Nachfolger werden Aleksandar Dragovic (Dynamo Kiew), Ömer Toprak (Bayer Leverkusen) und Niklas Süle (TSG Hoffenheim) gehandelt.

Unabhängig davon will der BVB seinen eingeschlagenen Kurs weiterfahren. Vor allem junge Talente sollen den Kader der Borussia ergänzen. Mikel Merino kommt als desigierter Gündogan-Erbe von CA Osasuna. Oleksandr Zinchenko vom russischem Erstligisten KF Ufa wird dem Vernehmen nach in Kürze folgen.

Rechtsaußen aus der de Bruyne-Schmiede

Ein weiteres Talent, das laut der belgischen Zeitung ‚Het Laatste Nieuws‘ den Weg nach Dortmund finden könnte, ist Leon Bailey. Der 18-jährige Jamaikaner überzeugt auf dem Flügel des KRC Genk. Neun Vorlagen und sechs eigene Treffer gelangen Linksfuß Bailey in seiner Premiersaison in der Jupiler Pro League. Vorzeigbare Statistiken, die neben dem BVB auch den Hamburger SV aufmerksam gemacht haben sollen.

In die Karten spielen dürfte beiden Bundesligisten, dass Bailey seinen Ex-Klub AS Trencin aus der Slowakei vergangenen Sommer bat, nach Genk zurückkehren zu dürfen. Trencin ist Partnerklub von Ajax Amsterdam, das den 18-Jährigen zuvor eigentlich unter Vertrag nehmen wollte. Bailey erhielt aber keine Arbeitserlaubnis in der Grachtenstadt.

In Genk, wo auch Christian Benteke, Kevin de Bruyne und Thibaut Courtois entdeckt wurden, wird eine mögliche Ablöse vermeintlich geringer ausfallen als bei Ajax. Finanziell aber müssten sich sowohl der HSV als auch der BVB aber wohl hinten anstellen. Denn mit Leicester City und dem FC Chelsea sind auch zwei Klubs aus der Premier League mit in der Verlosung. Baileys Vertrag ist bis 2018 datiert. Genk besitzt zudem die Option, diesen um ein Jahr zu verlängern.

FT-Meinung: So löblich das BVB-Konzept auch sein mag, zu sehr sollte der Kader mit Talenten nicht überfrachtet werden. Zumal mit Christian Pulisic und Felix Passlack zwei vielversprechende Jungs aus den eigenen Reihen bereit stehen. In Dortmund wäre Bailey daher wohl zunächst eher ein Fall für die U19 oder die U23. Und darauf dürfte der in Belgiens erster Liga etablierte Youngster wenig Lust haben.