Die Freude musste einfach raus. Bei seinem Tor zum 4:2-Endstand im Nordlondoner Derby gegen den FC Arsenal riss Lucas Torreira sein Trikot vom Leib und schrie seine Freude in das überkochende Stadion. Selten dürfte ihm eine gelbe Karte so egal gewesen sein, wie diese nach seiner Torpremiere für die Gunners.

Der gelbe Karton war so ziemlich das einzige, was Torreira an diesem Sonntagnachmittag vorzuwerfen war. Es war eine schlichtweg herausragende Leistung des kleinen Sechsers, der im Sommer für 30 Millionen Euro von Sampdoria Genua verpflichtet wurde – ein Spottpreis, wie sich heute sagen lässt.

Das dürfte auch Martin Keown so sehen. In seiner Kolumne für die ‚Daily Mail‘ nannte die Gunners-Legende Torreiras Auftritt „die beste Leistung eines Arsenal-Mittelfeldspielers seit den Zeiten von Patrick Vieria und Gilberto Silva“. Ein größeres Lob hätte Keown, einst selbst als Sechser aktiv, kaum vergeben können.

Zweikampfstärke als Kardinalstugend

So viel Anerkennung dürfte dem bescheidenen Uruguayer aus dem kleinen Örtchen Fray Bentos selbst etwas unangenehm sein. Unangenehm ist das Stichwort: Es ist eine der Eigenschaften, die Torreiras Fähigkeiten und Aufgaben in der Arsenal-Zentrale am besten beschreiben. Dem Gegner auf den Füßen stehen. Ein Wadenbeißer im besten Sinne des Wortes sein. Zweikampfstärke ist Torreiras Kardinalstugend. Dahingehend passt der Vieria-Vergleich schon einmal ganz gut.

Mit dieser Zweikampfstärke paart sich eine ganz feine Technik, die sich in Ballführung, Passfähigkeit und Schusstechnik niederschlägt. Enorm hilfreich – da hört es dann aber auf mit den Parallelen zu 1,93-Mann Vieira – ist ihm sein niedriger Körperschwerpunkt und kleiner Wendekreis. Mit seinen 1,68 hat Torreira eine extrem gute Körperbeherrschung, kommt aus Grätschpositionen blitzschnell wieder nach oben und spielt auch in Bedrängnis präzise Bälle.

Gesamtpaket wie bei Kanté

Auch die sogenannten Basics wie Laufbereitschaft und taktische Disziplin – gelernt auf dem Stiefel – machen Torreira zu einem jener Spieler, für die wohl jeder Trainer dieser Welt dankbar sein kann. Ein vergleichbares Gesamtpaket als Sechser findet man in England aktuell wohl nur noch bei N´Golo Kanté vom FC Chelsea.

So kann Torreira zu den Garanten für Arsenals rasanten Sturm in die Top vier der Premier League gezählt werden. Bewahrt er sich seine Stärken, dann wird er weiter eine der prägenden Figuren bei den Gunners sein. Das Toreschießen können ruhig andere übernehmen. Dann wird Torreira seine gelben Karten auch wieder in Zweikampfsituationen sammeln.