Mateta, Kunde, Niakhaté – drei der vier teuersten Transfers der Vereinsgeschichte tätigte der FSV Mainz 05 in diesem Sommer. Und mit der Verpflichtung von Aarón Caricol wird Sportdirektor Rouven Schröder noch einen draufsetzen. Der erste zweistellige Millionentransfer der Mainzer Klubgeschichte steht unmittelbar vor dem Vollzug.

Bis zu zwölf Millionen Euro sollen für den Linksverteidiger an Espanyol Barcelona fließen. Klare Sache: Bei Mainz ist richtig Bewegung drin. Mit den TV- und Transfer-Millionen in der Tasche tobt sich Schröder in einem Maße auf dem Transfermarkt aus, wie es für Vorgänger Christian Heidel in Jahrzehnten völlig undenkbar war.

Mainzer Transferpolitik fällt auf

So weit, so logisch. Dass eines Tages auch die vermeintlich Kleinen der Bundesliga zweistellige Millionenbeträge für einzelne Spieler bewegen, war schon vor Jahren absehbar. Auch das Mainzer Beuteschema – entwicklungsfähige Spieler zwischen 20 und 23 – geht nicht gerade als Alleinstellungsmerkmal durch. Und trotzdem: Die Mainzer Transferpolitik sticht ins Auge.

Es ist eher die Konsequenz, mit der die 05er ihr Paradigma der Wertsteigerung verfolgen. Akteure wie Nigel de Jong, Jonas Lössl oder Leon Balogun müssen gehen. Keine Marge – kein Platz im Kader. Mit den aufgezählten Jungprofis kommen dafür Spieler, die bei entsprechender Einsatzzahl ein sattes Transferplus mehr oder weniger garantieren. Sollte etwa Caricol zum Stammspieler avancieren, wird er seinen Marktwert auch mit wenigen Torbeteiligungen noch einmal deutlich nach oben katapultieren.

Ebenfalls auffällig: Das Jagdterrain. England überlassen die Mainzer potenteren Talentkäufern wie Borussia Dortmund oder RB Leipzig. Bevorzugt werden dagegen Frankreich und Spanien, wo ein U21-Nationalspieler noch erschwinglich und zudem weder schlechter ausgebildet noch mit weniger Talent gesegnet ist als auf der Insel.

Monaco und Porto als Benchmark

Schon drängen sich Vergleiche mit internationalen Größen auf: Der erfolgreichste Weiterbildungsklub der vergangenen Jahre ist die AS Monaco mit Stand jetzt fast 400 Millionen Euro Transferüberschuss seit 2014. Ebenfalls beeindruckend das Transferplus des FC Porto, der mit überwiegend lateinamerikanischen Talenten im selben Zeitraum fast 200 Millionen Euro scheffelte.

Zugegeben: Von diesen Sphären ist Mainz 05 noch ein gutes Stück entfernt. Der 28-Millionen-Wechsel von Abdou Diallo zu Borussia Dortmund zeigt aber, was künftig in Mainz die Regel werden soll. Sie sind auf den Geschmack gekommen in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt.