Zwei Spieltage hintereinander trat der FC Parma zuletzt in der Serie A nicht an. Im heimischen Stadio Ennio Tardini konnte man gegen Udinese Calcio nicht auflaufen, weil das Geld fehlt, das Stadion zu betreiben. Die Auswärtsfahrt zum FC Genua konnte sich der Klub ebenfalls nicht leisten. Am Wochenende ist der Tabellen-17. Atalanta Bergamo zu Gast. Das zumindest steht auf dem Spielplan. Es droht eine erneute Absage. Sollte die Partie tatsächlich erneut ausfallen und Parma auch in der kommenden Woche bei US Sassuolo Calcio nicht antreten, wird dem Verein die Lizenz entzogen – wohl gleichbedeutend mit dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit.

Noch vor knapp 16 Jahren sah alles ganz anders aus. Der zweifache italienische Pokalsieger – damals noch AC Parma – gewann mit einem Ensemble, gespickt mit späteren Weltmeistern, den UEFA Cup 1999. Es folgten Stareinkäufe in Millionenhöhe. Möglich gemacht hatte die Klubchef Calisto Tanzi. Nach einem Betrugsskandal von dessen Konzern Parmalat zog sich der heute 76-Jährige jedoch aus seinem Amt zurück. Seitdem verlor Parma beinahe alles vom Glanz vergangener Tage – sogar den Namen.

UEFA verweigerte Startlizenz

Hoffnung und das Träumen von alten Zeiten kam auf, als der Klub vergangene Saison den sechsten Platz erreichte, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt. Aufgrund noch ausstehender Steuerzahlungen in Höhe von vergleichsweise lächerlichen 300.000 Euro versagte die UEFA den Italienern jedoch die Startlizenz. Und so nahm das Übel seinen Lauf.

Das Team aus der Stadt des weltberühmten luftgetrockneten Schinkens wurde mehrfach an dubiose Geschäftsleute verscherbelt, die keinerlei sportliche Ambitionen mit dem Verein hatten. Heute sollen den FC Parma Schulden in Höhe von 70 bis 200 Millionen Euro belasten.

Wir duschen mit kaltem Wasser

Wir fühlen uns wie Aas, umgeben von Geiern und Schakalen", drückt Trainer Roberto Donadoni seine Enttäuschung über die derzeitige Lage aus. Die Spieler des einst so stolzen Serie A-Klubs erhalten, so heißt es, seit vergangenem Sommer keine Gehälter mehr. Eigenhändig müssen sie zuhause wie ein Team aus der Bunten Liga ihre Trikots waschen, da die Vereinsreinigung geschlossen wurde.

Wir duschen mit kaltem Wasser, die Jungs sind schon mehrmals krank worden“, moniert auch Hernan Crespo, derzeit Jugendtrainer in Parma. Crespo ist gleichzeitig einer der Helden der großen Vergangenheit des Klubs. Der einstige argentinische Superstar wechselte nach dem Gewinn des UEFA Cups für 55 Millionen Euro zu Lazio Rom. Noch heute ist der 39-Jährige der Rekordverkauf des Vereins und erinnert an glorreiche Zeiten.

Cannavaro, Thuram und Co.

Im Tor avancierte ein gewisser Gianluigi Buffon zu einem der besten Torhüter seiner Zeit. In der Abwehr bildeten Lilian Thuram und Fabio Cannavaro eine Verteidigung wie aus einem Fußballmärchen. Weltstars wie Gianfranco Zola, Juan Sebastián Verón und Johan Micoud zauberten einst im Mittelfeld. Und im Angriff gingen große Namen wie Crespo, Filippo Inzaghi, Hristo Stoichkov, Faustino Asprilla, Enrico Chiesa und der Brasilianer Adriano auf Torejagd – im wahrsten Sinne des Wortes.

Allerdings folgte der große Ausverkauf. Zwischen 1999 und 2004 erwirtschaftete der damalige AC Parma ein Transferplus von über 200 Millionen Euro. Inwiefern Klub-Boss Tanzi seine Finger im Spiel hatte, dass das ganze Geld versickerte, darüber bleibt nur zu spekulieren.

Mit mageren zehn Punkten aus 23 Partien dümpelt Parma nun dem Abstieg unaufhaltsam entgegen. Dabei scheint die Serie B noch das geringste Übel zu sein, was dem Verein aus der Region Emilia-Romagna blühen könnte. So droht dem Fußball ein großer Klub der Historie alsbald verloren zu gehen.

Das Traditionsteam des AC/FC Parma

Auf der Bank: Taffarel, Milosevic, Couto, Appiah, Lamouchi, Almeyda, S. Conceição, F. Inzaghi, Ortega, Chiesa, Amoroso.