Im Jahr 2007 befand sich der FC St. Pauli am Tabellenende der Regionalliga. Der Verein mit seinen treuen und frenetischen Anhängern stand wirtschaftlich und sportlich vor dem Abgrund. Dennoch gab es das Interesse eines internationalen Konzerns an einem größeren Sponsoring: Red Bull.

Mittelsmänner und Vertreter trafen sich mit Verantwortlichen des Klubs auf der Reeperbahn, wie die ‚Welt‘ berichtet. Hamburg war einer der Standorte, die von Dietrich Mateschitz und seinen Experten als lukrativ erachtet wurden. Eine Millionenstadt, in der die Grundlage für Profifußball bereits vorhanden war.

FC Red Bull St. Pauli?

Die Paulianer lehnten das Angebot recht zügig ab, als klar wurde, wie der neue Weg des ‚FC Red Bull St. Pauli‘ ausgesehen hätte. Die Verantwortlichen verwiesen auf die Anhängerschaft, die sich bereits 2005 mit dem österreichischen Verein Austria Salzburg solidarisiert hatte. Hintergrund: Austria wurde 2005 von Red Bull gekauft und der Name und das Wappen wurden geändert. Gleiches hatte man auch mit St. Pauli vor – die Bundesliga war das große Ziel.

Ich hatte damals schon gehört, dass sie Hamburg und unseren FC St. Pauli für einen guten Standort hielten“,so der spätere Klubpräsident Stefan Orth laut ‚Welt‘. „Für mich und auch die meisten anderen war aber von Beginn an klar, dass wir nicht zusammenkommen würden. Das Thema schaffte es nicht mal in die Präsidiumssitzung. Für den FC St. Pauli konnte und kann das kein Weg sein.

Sätze wie „Ihr steht doch auch für Coolness, Party, feiern und so“, sollen gefallen sein, berichtet das Blatt. Ein Eigentor par excellence.

Fortuna Red Bull München?

Red Bull zog also weiter. Doch auch in München bei 1860 und in Düsseldorf bei der Fortuna blitzte man ab. Die ‚Löwen‘ verhandelten hinter verschlossenen Türen und lehnten am Ende ebenfalls ab. Jahre später holten sie sich jedoch den jordanischen Investor Hasan Ismaik ins Boot. Immerhin im Eishockey konnte Red Bull die bayrische Landeshauptstadt München als Standort gewinnen. Der EHC Red Bull München beendete die laufende Saison als Zweiter der DEL.

Anders verlief es bei der Fortuna. Fans und Mitglieder stimmten deutlich gegen die Übernahme, als bekannt wurde das Red Bull mehr als 50 Prozent der Anteile kaufen wollte und den Verein in Red Bull Düsseldorf beziehungsweise Fortuna Red Bull Düsseldorf umbenennen wollte.

„Den FC Bayern nicht einmal geschenkt“

Entmutigen ließ sich Mateschitz davon nicht und bevorzugte eine kleinere Lösung. Je kleiner der Verein, desto besser: „Einen solch großen, traditionellen Klub wie etwa den FC Bayern dürften wir im Rahmen unserer Philosophie nicht einmal geschenkt nehmen. Je etablierter und traditioneller ein Klub ist, umso weniger ist er für uns interessant. Der schlechteste Klub, dessen Name in den vergangenen sieben Jahren fünfmal geändert wurde und der eine Minute vor dem Konkurs steht, ist uns lieber als Real Madrid.

Da in Leipzig kein Profifußball gespielt wurde, die Stadt aber von der Infrastrukur inklusive WM-Stadion bereits Bundesligaformat hat, war auch ein Verein unterhalb der Regionalliga und damit eine Verzögerung des Projekts tragbar.

2009 war es dann soweit. Da Vereine in der Oberliga, wo der Klub SSV Markranstädt spielte, nicht mehr dem DFB-Lizenzierungsverfahren unterliegen, konnte Red Bull für 350.000 einsteigen. Name und Wappen wurden geändert, nur die Lizenz blieb. Der Aufstieg konnte beginnen.

In der aktuellen Saison liegt Red Bull mit seinem ausgewählten Standort Leipzig vor Düsseldorf und weit vor 1860 München und dem FC St. Pauli. Düsseldorf hat mittlerweile nahezu keine Chancen mehr auf den Aufstieg. Die Hamburger und Münchner stehen gar vor einem Abstieg in die dritte Liga. Leipzigs Chancen sind nach der jüngsten Erfolgsserie mit zehn Punkten aus den vergangenen vier Spielen gestiegen. Der Aufstieg scheint möglich – zu einem hohen Preis in puncto Tradition und Werte. Einen Preis, den man in Düsseldorf, Hamburg und München nicht zahlen wollte.