Seit diesem Sommer ist Neymar der teuerste Fußballer der Geschichte. 222 Millionen Euro legte Paris St. Germain auf den Tisch. Vor vier Jahren war der Brasilianer auch beim FC Bayern ein Thema. Der damals neu installierte Trainer Pep Guardiola hätte Neymar gerne nach München geholt. Im Interview mit der ‚Sport Bild‘ schildert Uli Hoeneß, warum der Dribbelkünstler nach Barcelona statt in den Süden der Bundesrepublik wechselte.

Wir haben damals schnell gemerkt, wie schwierig sich die Verpflichtung von Neymar darstellen würde. Im Nachhinein wurden wir darin bestätigt, was für einen Rattenschwanz an Problemen dieser Transfer nach sich zog“, erläutert Hoeneß, „der FC Barcelona musste einige Winkelzüge vollziehen, damit das klappte. Dabei ging es ja nicht allein um die Ablöse, sondern um die vielen anderen Geldsummen, die an den Klubs vorbeifließen sollten. So etwas machen wir nicht, basta. Deshalb haben wir schnell abgewunken, als Pep diesen Namen ins Spiel brachte.“

Statt Neymar holte der FC Bayern sich Mario Götze aus Dortmund ins Boot. „Wir waren damals der Meinung, dass Mario Götze ein Spieler wäre, der von der Klasse her in die Nähe eines Neymar kommen könnte. Lange Zeit hat es ja auch so ausgesehen. Und die Abwicklung des Transfers war ungemein einfacher“, so Hoeneß.

Das Nachsehen bei Dembélé

Ungewollt zogen die Münchner dagegen vor einem Jahr den Kürzeren, als man sich um Ousmane Dembélé bewarb. Der Franzose, seit kurzem im Camp Nou unter Vertrag, wählte den Weg von Stade Rennes zum BVB. Auch weil der damalige Technische Direktor Michael Reschke mit dem falschen Berater verhandelte, gingen die Bayern leer aus. Hoeneß meint: „So etwas passiert und gehört zum Geschäft. Bei Dembélé müssen wir Dortmund zugestehen, dass sie früher an den richtigen Leuten dran waren. Da gibt es keine Vorwürfe von uns an niemanden. So etwas muss man auch mal akzeptieren.“

Ebenfalls im vergangenen Sommer wurde der Name Leroy Sané diskutiert. Den Flügelflitzer transferierte Schalke 04 an Manchester City. „Den Leroy Sané, um ein Beispiel zu nehmen, hätten wir ja gerne haben wollen. Das hat aber zeitlich nicht gepasst. Aber du kannst ja nicht einen Spieler, der 50 Millionen Euro kostet, für ein Jahr einsalzen und sagen, der ist für die nächste Saison gedacht. So etwas funktioniert im Fußball leider nicht“, führt der Bayern-Präsident aus.

„Draxler stünde dem FC Bayern gut zu Gesicht“

Aktuellstes Beispiel für einen Nicht-Transfer ist Julian Draxler. Der DFB-Kicker hat es bei Paris St. Germain seit dieser Saison in Person von Neymar mit erhöhter Konkurrenz zu tun. Der deutsche Rekordmeister verzichtete auf intensive Bemühungen.

Karl-Heinz (Rummenigge, Anm. d. Red.) und ich haben uns kürzlich zusammengesetzt und darüber gesprochen, welch ein Sammelsurium an Klasse-Spielern wir bereits in diesem Kader haben“, begründet Hoeneß, „wenn wir nun auf Teufel komm raus einen Transfer wie Draxler anstreben würden, käme wie schon bei der Verpflichtung von James gleich wieder die nächste Frage auf: Was ist mit Thomas Müller? Dass Julian Draxler ein Spieler ist, der dem FC Bayern gut zu Gesicht stehen würde, steht außer Frage. Aber wir wollen keinen unserer Spieler abgeben. Ich habe zudem ja jetzt schon Bauchschmerzen, wenn alle Spieler mal fit sein sollten.“