Red Bull Salzburg ist in der Europa League auch in dieser Saison voll auf Kurs. Mit 5:2 gewannen die Österreicher am gestrigen Donnerstagabend bei Rosenborg Trondheim. Es war der vierte Sieg im vierten Spiel. Die perfekte Bilanz ist dabei kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis harter Arbeit und eines klaren Plans.

Jedes Rädchen greift beim Team von Trainer Marco Rose ins andere und jeder Spieler weiß genau, welche Aufgaben er zu erfüllen hat. Doch auch wenn das Kollektiv im Vordergrund steht, sind es einzelne Akteure, die dafür sorgen, dass kein Sand ins Getriebe gerät. An allererster Stelle zu nennen, ist in diesem Zusammenhang Amadou Haidara.

Der Nationalspieler aus Mali kam in Norwegen in halbrechter Position im Mittelfeld zum Einsatz, kann aber auch zentraler oder links auflaufen. Seine Vielseitigkeit ist aber bei weitem nicht sein einziger Trumpf. Der erst 20-Jährige ist jetzt schon einer, der fast alles kann.

Jeder kennt ihn: Den Gegenspieler, der mit seinen langen Stelzen jeden Pressschlag gewinnt und sich im direkten Duell immer irgendwie durchwurschtelt. Haidara ist ein solcher Albtraum für jeden Gegner, kann dazu aber auch noch richtig kicken. Starker Antritt, Pferdelunge, sauberes Passspiel mit links wie rechts, gute Antizipation, Kommandosprache und ein unbändiger Wille zur Fleißarbeit – Haidaras Repertoire ist nahezu grenzenlos. Nur in Richtung gegnerisches Tor fehlt dem Youngster bisweilen noch die Präzision. Aber wäre es nicht auch unmenschlich, wenn der Mittelfeldmann keine kleinen Schwächen hätte?

Der perfekte Keïta-Nachfolger

Die Spielphilosophie der Red Bull-Klubs geprägt von aggressivem Gegenpressing und überfallartigen Angriffen nach Ballgewinn ist Haidara auf den Leib geschneidert. Kein Wunder also, dass RB Leipzig ihn als Wunschlösung für das zentrale Mittelfeld ins Visier genommen hat. Nach FT-Informationen hat der Bundesligist schon mehrere konkrete Angebote abgegeben. Fix ist der Wechsel allerdings noch nicht.

Denn Haidara ist keiner, der nur an den nächsten Karriereschritt denkt. Das Zweikampfmonster fühlt sich wohl in Salzburg und kann sich auch gut vorstellen, die Saison dort zu beenden. Und obwohl sich die beiden Schwersterklubs sehr nahe stehen, wird es am Ende Haidara selbst sein, der einen Wechsel nach Leipzig abnickt – oder eben nicht. Zunächst einmal müssten sich aber beide Klubs einig werden.

Ralf Rangnick will eigentlich nicht mehr als rund 20 Millionen Euro ausgeben. Eine Summe, mit der die Salzburger prinzipiell wohl leben könnten. Das Problem: Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass ein anderer Verein mehr auf den Tisch legt. Denn wer Haidara beispielsweise gestern in Trondheim gesehen hat, der wird dessen Marktwert womöglich höher ansiedeln. Zumal der bärenstarke Auftritt bei weitem keine Eintagsfliege war.