Bale bei Real: Gekommen als Rekordmann, gegangen als Golfer

Einmal besiegelte er mit einem phänomenalen Fallrückzieher den Champions League-Sieg von Real Madrid, später schmollte er monatelang auf der Bank und widmete sich lieber seinem Golf-Handicap. Es ist ein ambivalentes Bild, das Gareth Bale in Madrid abgegeben hat.

Gareth Bale wurde vom Paulus zum Saulus in Madrid
Gareth Bale wurde vom Paulus zum Saulus in Madrid ©Maxppp

Eigentlich ist die Flanke von Marcelo ziemlich missglückt. Gareth Bale, der einzige, der das Zuspiel überhaupt erreichen kann, interessiert das herzlich wenig. Er steigt kurz hinter der Strafraumgrenze zum Fallrückzieher hoch und drischt das Leder unerreichbar für Liverpools Keeper Loris Karius ins rechte obere Eck. Es steht 3:1 für Real Madrid – der dritte Champions League-Titel in Folge ist perfekt.

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Dieser Geniestreich am 26. Mai 2018 ist Bales persönlicher Karriere-Höhepunkt, obwohl der Waliser schon damals im Verein merklich an Kredit verloren hatte. Eine Parallele zu Mario Götze, der seinen wichtigsten Ballkontakt, das WM-Finaltor 2014 in Rio, ebenfalls in einer Phase verbuchte, in der die Vereinskarriere bei Bayern München bereits stagnierte.

BBC – Bale, Benzema, CR7

Aber bleiben wir bei Bale. 2013 wechselte der ebenso schnelle wie athletische Linksaußen in die spanische Hauptstadt. 24 Jahre war er, kam in seine besten Jahre und kostete nach zahlreichen furiosen Leistungen für Tottenham Hotspur die damalige Rekordsumme von 101 Millionen Euro.

Eine gewaltige Summe, aber nach den folgenden Eindrücken nicht zu viel. Bale zahlte – von Trikotverkäufen mal abgesehen – ordentlich zurück. 44 Pflichtspiele bestritt er in seiner Debütsaison, markierte 22 Tore und 19 Vorlagen. Ebenfalls stark seine Saison 2014/15: 17 Treffer und 21 Assists in 48 Pflichtspielen. BBC wurden sie seinerzeit gerufen, Bale und seine Sturmkollegen Karim Benzema und Cristiano Ronaldo.

Verhängnisvoller Januar 2016

Der Bruch folgte im Januar 2016. Kurz nach Jahresbeginn übernahm Zinedine Zidane das königliche Traineramt, wenige Wochen später verletzte sich Bale an der Wade. Danach begannen sie sich zu häufen, die Bankplätze und Kurzeinsätze. Dabei sammelte der walisische Nationalspieler weiter eifrig seine Scorerpunkte.

Dennoch stand Bale seitdem klar im Schatten seiner Nebenleute Ronaldo, Benzema und Marco Asensio. Daran änderte letztlich auch Zidanes achtmonatige Abstinenz von Sommer 2018 bis März 2019 nichts. Bale und Real Madrid – das war längst keine Liebesbeziehung mehr. Seine teils spektakulären Glanzpunkte, tolle Distanztore und Flankenläufe, wurden seltener und seltener. Die Misstöne hingegen mehrten sich.

Allseitiges Aufatmen

Nun, nach Ablauf der Saison 2020/21 dürften beide Seiten froh sein, dass das siebenjährige Kapitel in Kürze beendet ist. Bale, der monatelang durch offen zur Schau gestelltes Desinteresse auf der Bank geschmollt und auf dem Golfrasen größere sportliche Leistungen verbucht hatte als auf dem Fußballplatz, kehrt zurück zu Tottenham.

Drei Kreuze werden sie machen – die Königlichen, ihr Trainer und Bale natürlich selbst. Keine bohrenden Fragen der spanischen Presse mehr, keine anklagenden Artikel und Berichte mehr. Und keine Pfiffe der eigenen Fans. Zwischen Zidane und seinem 101-Millionen-Mann mag es nicht gepasst haben. So missglückt wie Marcelos Flanke im Champions League Finale 2018 war die Ära Bale in Madrid aber beileibe nicht.

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