Deutsche im Ausland: So schlagen sich die Ligue 1-Legionäre

Wie läuft es für die deutschen Profis in den europäischen Topligen? FT nutzt die Länderspielpause, um den Saisonstart der Legionäre zu beleuchten. Den Anfang machen die Deutschen in der französischen Ligue 1.

Drei Deutsche in Frankreich: Jérôme Boateng, Alexander Nübel und Julian Draxler (v.l.n.r.)
Drei Deutsche in Frankreich: Jérôme Boateng, Alexander Nübel und Julian Draxler (v.l.n.r.) ©Maxppp

Jérôme Boateng (Olympique Lyon)

Weltmeister, Champions League-Sieger, Deutschlands Fußballer des Jahres – Jérôme Boateng ist der größte Star unter den deutschen Ligue 1-Profis und zählte jahrelang zur Riege der Weltklasse-Innenverteidiger. An das Level seiner besten Tage mag der 33-jährige Berliner nicht mehr herankommen, startete aber ordentlich in sein neues Abenteuer bei Olympique Lyon. Seit dem etwas unglücklichen Pflichtspieldebüt gegen Racing Straßburg (3:1) kam Boateng in vier von sechs Partien zum Einsatz und das jeweils in der Startelf. Trainer Peter Bosz schätzt augenscheinlich die Erfahrung des langjährigen Bayern-Profis.

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Julian Draxler (Paris St. Germain)

Auf verheißungsvolle erste Saisonspiele – dreimal durfte Draxler in den ersten fünf Ligue 1-Partien beginnen – folgte ein Knick. Die Spielminuten wurden weniger, weil Trainer Mauricio Pochettino zunehmend den Superstars Lionel Messi, Neymar, Kylian Mbappé und Ángel di María vertraute. Immerhin: Gegen den HSC Montpellier brauchte Draxler nur zwei Spielminuten für seinen zweiten Saisontreffer. Zuletzt fehlte der 28-Jährige krankheitsbedingt, dürfte von seinem Coach aber weiter als verlässlicher Rollenspieler eingestuft werden.

Ismail Jakobs (AS Monaco)

So richtig nachhaltig hat sich Ismail Jakobs noch nicht in die Startelf der AS Monaco gearbeitet, befindet sich aber auf einem guten Weg. Beim 3:0 gegen Girondins Bordeaux ließ Trainer Nico Kovac den 22-jährigen Ex-Kölner zuletzt erstmals über 90 Minuten ran. Im insgesamt achten Pflichtspiel stand er zum dritten Mal in der Startelf. Jakobs‘ Vorteil: Er ist als klassischer Linksverteidiger in einer Viererkette einsetzbar, genauso aber auch als Schienenspieler in einem System mit Dreierkette. So winken noch viele weitere Einsatzminuten.

Moritz Jenz (FC Lorient)

In Deutschland fliegt Moritz Jenz noch komplett unter dem Radar, hat der gebürtige Berliner doch einen eher unkonventionellen Karriereweg beschritten. Über die Jugend des FC Fulham landete der heute 22-Jährige in der Schweiz beim FC Lausanne und schaffte dort den Durchbruch als Profi. Die stolze Ablöse von 3,5 Millionen Euro, die Lorient im Sommer nach Lausanne überwies, konnte Jenz als zuletzt gesetzter Innenverteidiger der Bretonen bislang rechtfertigen (sechs Pflichtspiele, fünfmal Startelf). Auf die Zettel der Bundesliga-Scouts dürfte es der 1,90-Hüne schon geschafft haben.

Thilo Kehrer (Paris St. Germain)

Ähnlich hoffnungsvoll wie Teamkollege Julian Draxler startete DFB-Verteidiger Thilo Kehrer in die Saison mit Paris St. Germain, durfte in den ersten sechs Ligue 1-Partien fünfmal über 90 Minuten ran. Seit knapp drei Wochen wartet der 25-jährige Tübinger allerdings auf einen weiteren Einsatz für das Starensemble. Hinten rechts hat sich 60-Millionen-Mann Achraf Hakimi festgespielt, zentral wiederum setzt Trainer Pochettino auf Presnel Kimpembe und Kapitän Marquinhos. Zudem kehrt Sergio Ramos irgendwann zurück auf den Platz. Kehrer leidet weniger unter Formschwäche als unter der brettharten Konkurrenz.

Alexander Nübel (AS Monaco)

Es schien bereits, als könne Alexander Nübel dem Fehlerteufel auch in Frankreich nicht entkommen. Eklatante Patzer brachten der 25-jährigen Bayern-Leihgabe zunächst harsche Kritik ein. „Und das soll der künftige Nachfolger von Manuel Neuer beim FC Bayern werden?“, fragte etwa Ex-PSG-Keeper Jérôme Alonso. Inzwischen allerdings scheint Nübel im Fürstentum angekommen zu sein. Die Formkurve zeigt nach oben, gröbere Fehler unterliefen dem Gesetzten (14 von 15 möglichen Einsätzen) zuletzt nicht mehr. Nach dem Holperstart scheint sich das zweijährige Gastspiel allmählich auszuzahlen.

Julian Pollersbeck (Olympique Lyon)

Unter ganz anderen Voraussetzungen als Torwart-Kollege Nübel war Julian Pollersbeck vor gut einem Jahr vom Hamburger SV zu Olympique Lyon gewechselt. Platzhirsch Antony Lopes mag bei weitem nicht fehlerfrei sein, hat bei OL aber ein ganz anderes Standing als der Deutsche. Immerhin: Weil sich sein Konkurrent eine Rote Karte einhandelte, durfte Pollersbeck am vergangenen Wochenende im Derby gegen die AS St. Étienne (1:1) die ersten Einsatzminuten dieser Saison verbuchen.

Kevin Volland (AS Monaco)

Nach seiner starken Debütsaison konnte Kevin Volland zunächst nur in der Champions League-Qualifikation Zählbares (ein Tor, zwei Vorlagen) beisteuern, in der Ligue 1 präsentierte sich der umtriebige EM-Teilnehmer dagegen glücklos. Inzwischen ist allerdings auch auf nationaler Ebene der Knoten aufgegangen und die ersten Scorerpunkte (zwei Tore, eine Vorlage) sind auf Vollands Konto gewandert. Sein Faustpfand: Trainer Kovac hat stets Verwendung für den nie aufsteckenden 29-Jährigen.

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