Der Fußball erlaubt uns, für einen Moment alles zu vergessen. Er ist keine Lösung für unsere Probleme, aber er ist eine Illusion für das honduranische Volk“, erklärte Rafael Callejas, Präsident des honduranischen Fußball-Verbandes, zuletzt. Honduras gilt als eines der ärmsten und gefährlichsten Länder der Welt. Fußball gibt dem mittelamerikanischen Volk Hoffnung. Für einen Moment liegt man sich vereint in den Armen und kann die Gewalt um sich herum vergessen. Entsprechend groß ist zugleich aber auch die Last und der Druck auf den Schultern der ‚Los Catrachos‘, wenn sie das Trikot mit dem großen ‚H‘ auf der Brust tragen.

Dennoch mangelt es den Mittelamerikanern nach der erfolgreichen WM-Qualifikation nicht an Selbstvertrauen. „Wir wollen weiterkommen“, erklärt Premier League-Legionär Wilson Palacios. Der Mittelfeld-Stratege ist der Star – wenn man bei den Honduranern denn davon sprechen möchte – im Team von Coach Luis Fernando Suárez. Auch der 29-Jährige musste das Grauen in Honduras schmerzlich erleiden. 2007 wurde sein jüngster Bruder zunächst entführt und anschließend ermordet.

Quali: Zunächst holprig, dann furios

In der CONCACAF-Qualifikation setzte die ‚H‘, wie das Volk seine Nationalmannschaft ruft, sich in der Zwischenrunde zunächst sehr knapp vor Panama und Kanada durch. Erst im letzten Gruppenspiel sicherte man mit einem beachtlichen 8:1-Heimsieg gegen die Kanadier das Weiterkommen. Erfolgreicher liefen die Gruppen-Playoffs um die endgültige Qualifikation für Brasilien 2014. Nach Siegen in Mexiko und gegen die USA sicherten sich ‚Los Catrachos‘ Platz drei – vier Punkte vor den favorisierten Mexikanern. Damit qualifizierte sich Honduras direkt und zum insgesamt dritten Mal für eine Weltmeisterschafts-Endrunde. 1982 in Spanien und 2010 in Südafrika verabschiedete man sich allerdings jeweils als Gruppenletzter aus dem Turnier, ohne einen einzigen Sieg erringen zu können. Das soll sich 2014 endlich ändern.

Wir sind sehr optimistisch“, versichert Suárez, „es ist an der Zeit, den nächsten Schritt zu machen.“ Auch Brasiliens Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari warnt davor, die ‚H‘ zu unterschätzen: „Ich habe großen Respekt vor Honduras, sie haben ein gutes Team und sind kein einfach zu spielender Gegner.“ Trotz allem Optimismus ist Honduras mit Gewissheit einer der ganz großen Außenseiter bei der WM am Zuckerhut. Wenngleich die Mittelamerikaner eine verhältnismäßig dankbare Gruppe erwischt haben, wäre ein Weiterkommen eine faustdicke Überraschung.

Simple, aber klare Spielidee

Großer Vorteil der Honduraner dürfte der Zusammenhalt der Truppe sein. Das Team ist seit rund drei Jahren so gut wie unverändert und pflegt eine simple, aber klare Spielidee. Jeder weiß, was er zu tun hat. Zudem sind die Honduraner erfahren, gleichzeitig aber mittlerweile auch in die Jahre gekommen. In der Abwehr sollen die erfahrenen Innenverteidiger Victor Bernárdez (San José Earthquakes) und Maynor Figueroa (Hull City) den Laden zusammenhalten. Figueroa ist zudem besonders wichtig für das Umschaltspiel der ‚H‘, das ansonsten aufgrund der fehlenden Agilität im Mittelfeld etwas lahmt. Der 31-jährige Abwehrrecke ist sehr zweikampfstark und verfügt über ein hervorragendes Antizipationsvermögen.

Im Mittelfeld sollen die Premier League-Legionäre Roger Espinoza (Wigan Athletic) und insbesondere Wilson Palacios (Stoke City) für Ordnung und die zündende Idee sorgen. Die Flügelspieler Andy Najar (RSC Anderlecht) und Oscar Boniek García (Houston Dynamo) sollen schließlich Top-Torjäger Carlos Costly mit Flanken füttern. Bei dieser herkömmlichen und etwas antiquierten Spielidee bleibt es jedoch. Einzig Standards sorgen darüber hinaus mit dem baumlangen Costly und den wuchtigen Innenverteidigern für Gefahr.

Aussicht

Für Honduras geht es gleich zum Auftakt im Estádio Beira-Rio in Porto Allegre gegen Frankreich um alles. „Wir können Frankreich bei der WM schlagen“, ist Coach Suárez überzeugt. ‚Les Bleus‘ ist der turmhohe Favorit, zugleich aktuell aber sehr verunsichert und zudem nicht mehr mit der Qualität vergangener Tage gesegnet. Honduras wird mauern und auf seine vereinzelten Chancen lauern. Erwischt das Team von Trainer Suárez einen Sahnetag ist eine Überraschung in Gruppe E vorstellbar. Getragen von der Euphorie und den Motivationskünsten des Coaches, könnte ein Weiterkommen für ‚Los Catrachos‘ gegen die Schweiz und Ecuador drin sein. Allerdings müssten hierzu einige Faktoren zusammenspielen. Realistisch ist der Einzug ins Achtelfinale nicht. Wahrscheinlich ist eher das erneute Scheitern als Gruppenletzter.

Die Stars

Wilson Palacios (29/Stoke City): Seine Premier League-Karriere startete der zentrale Mittelfeldspieler 2008, als er für 1,3 Millionen Euro von seinem Heimatklub Olimpia Tegucigalpa zu Wigan Athletic wechselte. Nach starken Leistungen reiste der heute 29-Jährige weiter an die White Hart Lane. 15 Millionen Euro zahlte Tottenham Hotspur für den robusten Strategen. Da er sich dort nie wirklich durchsetzen konnte, verließ Palacios die ‚Spurs‘ 2011/12 und schloss sich gegen eine Ablöse von weiteren neun Millionen Euro Stoke City an. Dort fand er zuletzt wieder zu alter Stärke zurück, wenngleich er nicht immer gesetzt war.

Maynor Figueroa (31/Hull City): Der Abwehrchef ist die zentrale Figur im Defensiv-Verbund der Honduraner. Enorm zweikampfstark und mit guten Antizipationsspiel leitet er zudem bei Ballgewinn Konter ein. Aufgrund seiner Kopfballstärke sorgt der Innenverteidiger, der auf Klubebene meist linker Verteidiger spielt, insbesondere bei Standards für Gefahr.

Carlos Costly (31/Real Club Deportivo España): Costly ist ein Weltenbummler. Der 1,90 Meter große Mittelstürmer kickte in seiner Karriere bereits in Polen, England, China, Mexiko, Griechenland, Rumänien und den USA. Wirklich erfolgreich war der Kosmopolit dabei in seinen Klubs nie. Umso bemerkenswerter ist seine Torausbeute in der Nationalmannschaft. In 68 Länderspielen traf der 31-jährige Linksfuß 30 Mal. Entsprechend ruhen viele Hoffnungen der Honduraner auf seinen Toren.

So könnten sie spielen

Das vorläufige Aufgebot

Tor: Noel Valladares, Donis Escober (Olimpia), Luis López (Real España)

Abwehr: Arnold Peralta (Glasgow Rangers), Maynor Figueroa (Hull City), Víctor Bernárdez (San José Earthquakes), Emilio Izaguirre (Celtic Glasgow), Osman Chávez (Qingdao Jonoon), Juan Carlos García (Wigan Athletic), Brayan Beckeles (Olimpia), Juan Pablo Montes (Motagua)

Mittelfeld: Boniek García (Houston Dynamo), Andy Najar (RSC Anderlecht), Roger Espinoza (Wigan Athletic), Wilson Palacios (Stoke City) Marvin Chávez (Colorado Rapids), Jorge Claros (Motagua), Luis Garrido (Olimpia), Mario Martínez (Real España)

Angriff: Jerry Bengtson (New England Revolution), Jerry Palacios (Alajuelense), Carlo Costly (Real España), Rony Martínez (Real Sociedad San Sebastián)





Gruppe A:

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Gruppe B:

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Gruppe E

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