It’s a group of death“. Diese alte Lostopf-Floskel zog sich nach der Gruppenauslosung in den USA durch die Medien, wie eine Horde Bisons durch die nordamerikanische Prärie. „Als die Auslosung vorbei war, das gebe ich zu, war in unserer Delegation ein Moment lang Stille“, verrät US-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann, „aber dann kam gleich die Trotzreaktion. ‚So what, let’s go for it‘.“ Tatsächlich hatten die US-Amerikaner alles andere als Glück bei der Auslosung. Gegen Deutschland, Portugal und Ghana sind die Jungs aus Übersee nur Außenseiter. Dabei setzte man sich in der CONCACAF-Qualifikation souverän als Gruppensieger durch. Klinsmann war nicht sonderlich amüsiert darüber und schoss verbal gegen die Auslosungsregularien der FIFA.

Dennoch – wie es nun einmal das Naturell des Amerikaners als Nabel der Welt ist, reist man mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein und Optimismus an den Zuckerhut. „Wir schlagen Ghana, überstehen die Vorrunde – und dann legen wir richtig los“, ist auch Klinsmann vom Positiv-Bazillus befallen. Seinen Rückflug hat der 49-jährige Ex-Stürmer am 15. Juli gebucht – zwei Tage nach dem Finale.

Offensiv-Power und starkes Kollektiv

Unter dem ehemaligen Bayern-Stürmer agieren die US-Boys taktisch sehr flexibel und passen sich meist dem Gegner an. Da man bei der WM in der Außenseiterrolle ist, bevorzugt Klinsmann voraussichtlich ein defensiv ausgerichtetes 4-5-1, mit der zentralen Achse Michael Bradley, Jermaine Jones und Clint Dempsey. Dempsey, der beim FC Fulham einst Stürmer war, spielt in der Nationalmannschaft meist hinter der Spitze Jozy Altidore und verfügt noch immer über ein hohes Maß an individueller Klasse. Für das kreative Moment im Offensivspiel ist Bradley mit Schnittstellenpässen und eigenen Tempoläufen zuständig.

Die entscheidende Veränderung unter Klinsmann ist die offensive Ausrichtung. Früher standen die US-Amerikaner traditionell tief, ließen den Gegner anrennen und lauerten auf Konter oder Standards. Dieses Defensiv-Denken hat sich stark gewandelt. Mittlerweile agiert man deutlich offensiver, hat mehr Ballbesitz und spielt mutig nach vorne. Gerade gegen technisch starke Mannschaften wie Deutschland und Portugal könnten die Amis so jedoch Probleme bekommen. Obwohl zahlreiche Spieler in der amerikanischen MLS ihr Geld verdienen, sind sie taktisch bestens geschult. Die große Stärke der USA ist allerdings ihr starkes Kollektiv.

Vor der WM holte Klinsmann auch Berti Vogts als Co-Trainer an Bord, unter dem er 1996 mit der Europameisterschaft den letzten großen Titel der Deutschen Nationalmannschaft bejubelte. Der 68-Jährige soll ‚Klinsi‘ mit seinem „umfassenden Know-how“ weiterhelfen. Darüber hinaus befindet sich das Team unter dem Schwaben im Umbruch. Statt des angeschlagenen Kult-Stars der US-Boys, Landon Donovan, setzt der Schwabe lieber auf talentierte Jungspunde wie Anthony Brooks von Hertha BSC, den 19-jährigen Julian Green aus der Reserve des FC Bayern oder DeAndre Yedlin von den Seattle Sounders.

Aussichten

Wir müssen gegen Ghana mit einem Dreier ins Turnier starten“ , bringt es Klinsmann trefflich auf den Punkt. Viel, sehr viel wird von der Auftaktpartie gegen die leicht favorisierten ‚Black Stars‘ abhängen. Können die US-Boys einen Dreier einfahren, ist alles möglich. Gegen Portugal und Deutschland gehen die Amerikaner als klarer Außenseiter in die Partie, bewiesen in der Vergangenheit jedoch immer wieder, wie unangenehm sie für jeden Gegner der Welt sein können. Prognose: Klinsmann hat ab dem 26. Juni frei und kann knapp drei Wochen die brasilianische Sonne genießen.

Die Stars

Tim Howard (35/FC Everton): Trotz seines fortgeschrittenen Alters gehörte der Schlussmann des FC Everton in der abgelaufenen Premier League-Saison wieder zu den besten seiner Zunft. Der US-Amerikaner, der bekanntermaßen unter dem Tourette-Syndrom leidet, absolvierte eine Sahne-Spielzeit und verpasste mit den ‚Toffees‘ nur knapp die Champions League-Qualifikation. „Letzte Saison gehörte er in England zu den drei besten Tormännern – und weltweit zu den Top Fünf“, adelt ihn Nationaltrainer Klinsmann.

Clint Dempsey (31/Seattle Sounders): Die Aufgabe des ehemaligen England-Legionärs hat sich aufgrund seiner fußballerischen Fähigkeiten, seiner Erfahrung und wohl auch seines Alters etwas geändert. In der zentralen Mittelfeld-Offensive ist der gelernte Angreifer das Bindeglied zwischen Defensive und Offensive. Stößt häufig aus dem Rückraum in die Lücken der Abwehrkette. Von seiner Torgefährlichkeit hat er trotz der Positions-Rochade nichts eingebüßt.

Michael Bradley (26/FC Toronto): Obwohl der ehemalige Mittelfeld-Spieler von Borussia Mönchengladbach nur noch in der Major League Soccer beim FC Toronto kickt, ist er der Star des US-Teams. Für 7,4 Millionen Euro wechselte der 26-jährige Spielgestalter vergangenen Sommer von der AS Rom nach Kanada. Im Offensiv-Spiel der Amerikaner ist Bradley der wichtigste Mann. Er ist für kreative Ideen und Überraschendes zuständig. Insbesondere brilliert er mit feinen Pässen in die Schnittstellen der gegnerischen Abwehr.

So könnten sie spielen

Das WM-Aufgebot

Tor: Tim Howard (FC Everton), Brad Guzan (Aston Villa), Nick Rimando (Real Salt Lake)

Abwehr: DeAndre Yedlin (Seattle Sounders), Omar González (LA Galaxy), Matt Besler (Sporting Kansas City), John-Anthony Brooks (Hertha BSC), DaMarucs Beasley (FC Puebla), Geoff Cameron (Stoke City), Timothy Chandler (1. FC Nürnberg), Fabian Johnson (TSG Hoffenheim)

Mittelfeld: Michael Bradley, Michael (FC Toronto) Mix Diskerud (Rosenborg Trondheim) Alejandro Bedoya (FC Nantes), Jermaine Jones (Besiktas Istanbul),Brad Davis (Houston Dynamo), Kyle Beckerman (Real Salt Lake), Julian Green (FC Bayern München), Graham Zusi (Sporting Kansas City), Clint Dempsey (Seattle Sounders)

Sturm: Aron Johannsson (AZ Alkmaar), Jozy Altidore (FC Sunderland), Chris Wondolowski (San Jose Earthquakes)




Gruppe A:

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Brasilien

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Kroatien

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Mexiko

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Kamerun

Gruppe B:

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Spanien

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Niederlande

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Chile

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Australien

Gruppe C:

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Griechenland

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Kolumbien

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Elfenbeinküste

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Japan

Gruppe D:

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Uruguay

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Costa Rica

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: England

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Italien

Gruppe E

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Schweiz

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Ecuador

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Frankreich

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Honduras

Gruppe F:

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Argentinien

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Bosnien-Herzegowina

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Iran

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Nigeria

Gruppe G:

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Deutschland

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Portugal

- WM-Spezial – die Teams im FT-Check: Ghana