Noch immer zeichnet sich bei Eintracht Frankfurt kein Nachfolger für Leiharbeiter Joselu ab, der sich für einen Wechsel zu Hannover 96 entschied. Vaclav Kadlec hängt seit Monaten durch, Jan Rosenthal (Vertrag bis 2016) kann die Hessen bei entsprechendem Angebot verlassen. Youngster Gian-Luca Wallschmidt ist ein Durchbruch in der Bundesliga in der kommenden Runde kaum zuzutrauen.

Für die Eintracht gestalten sich die Planungen vor allem aufgrund der inflationären Marktpreise, bedingt durch die WM in Brasilien, schwierig. „Man wartet ab, bis die WM vorbei ist und sich die Preise eingependelt haben“, erklärt Manager Bruno Hübner das zögernde Verhalten auf dem Transfermarkt. Vor der WM habe man sich beispielsweise beim OSC Lille nach einem gewissen Divock Origi erkundingt, dessen Marktwert zu diesem Zeitpunkt bei gut einer Millionen Euro lag. Nach der WM verlangt der LOSC nun zwölf Millionen für den Shootingstar. Insofern kann und will man aktuell nicht in Aktionismus verfallen.

Zwei Angreifer will die SGE verpflichten, dazu einen Spieler für die offensive Außenbahn. „Drei wären wünschenswert, vier optimal“, verrät Hübner die gesteckten Personalziele.

Torjäger-Quintett im Fokus

Als mögliche Nachfolger für Joselu wird dennoch gleich ein Angreifer-Quintett gehandelt. Am konkretesten scheinen die Verhandlungen mit Nicklas Bendtner. Der Vertrag des Dänen beim FC Arsenal lief Ende Juni aus. Entsprechend wäre der 26-Jährige ablösefrei zu haben. Derzeit steht einer Verpflichtung aber noch das vom Torjäger geforderte Handgeld in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro im Weg. Bendtner betonte jedoch, er würde gerne in die Bundesliga wechseln.

Weiterer Kandidat für das Sturmzentrum der Hessen ist Enner Valencia. Der ecuadorianische Nationalspieler von CF Pachuca konnte sich bei der Weltmeisterschaft in den Fokus der SGE, aber auch zahlreicher anderer Klubs spielen. Mit Mauricio Pinilla von Cagliari Calcio steht ein zusätzlicher WM-Fahrer im Visier der ‚Adler‘. Der 30-jährige Chilene konnte jedoch nicht in der Form auf sich aufmerksam machen wie sein südamerikanischer Kollege Valencia.

Zuletzt schien auch Khouma Babacar vom italienischen Zweitligisten FC Modena ein Thema in der Mainmetropole zu sein. Mit 20 Toren und neun Vorlagen konnte der 21-jährige Senegalese vergangene Saison Eigenwerbung betreiben. Allerdings gehört er dem AC Florenz, besitzt in der Toskana jedoch nur noch ein Jahr Vertrag.

Darüber hinaus wurden die Hessen mit Lukasz Teodorczyk in Verbindung gebracht. Der 23-jährige Pole geht für Lech Posen auf Torejagd und wird nicht zuletzt deshalb mit Robert Lewandowksi verglichen. Beim polnischen Erstligisten läuft sein Arbeitspapier noch bis 2017. 20 Treffer und sieben Assists in 32 Partien lautet seine Empfehlung. Als Ablösesumme ruft Posen drei Millionen Euro auf.

5-Millionen-Gebot für Marin

Neben Joselu würde Hannover den Hessen gerne Leistungsträger Stefan Aigner streitig machen. „Wir geben ihn nicht ab. Im Gegenteil, wir wollen den Vertrag jetzt schon mit ihm verlängern“, denkt Eintracht-Manager Bruno Hübner jedoch keineswegs über einen Verkauf des 26-jährigen Flügelspielers nach. Im Gegenzug signalisierte die Eintracht Interesse daran, Tranquillo Barnetta vom FC Schalke 04 loszueisen. Der Schweizer war vergangene Saison an die SGE ausgeliehen und wusste in der Rückrunde zu gefallen.

Neben Barnetta steht auch ein alter Bekannter im Fokus der Frankfurter. Fünf Millionen Euro hat der Bundesligist für Marko Marin vom FC Chelsea geboten, der einst in der Jugend der ‚Adler‘ kickte. Darüber hinaus wird kolportiert, die Eintracht habe die Fühler nach Daniel Caligiuri vom VfL Wolfsburg ausgestreckt. Die ‚Wölfe‘ sind jedoch nicht bereit, den Offensivakteur ziehen zu lassen. Die ‚Marca‘ bringt indes Pedro León vom FC Getafe ins Spiel. Der 27-jährige Spanier könnte Aigner bei einem möglichen Abschied beerben.

Defensiv-Achse weggebrochen

Einbußen musste man insbesondere auch in der Defensive hinnehmen. Mit Sebastian Rode (ablösefrei/FC Bayern München), Sebastian Jung (2,5 Millionen Euro/VfL Wolfsburg) und Kapitän Pirmin Schwegler (1,9 Millionen Euro/TSG Hoffenheim) mussten die Frankfurter gleich drei weitere Leistungsträger ziehen lassen. Außerdem verabschiedeten sich Stephan Schröck (200.000 Euro/Greuther Fürth) und Stefano Celozzi, dessen Ziel noch unbekannt ist.

Marvin Bakalorz, der als Leihspieler mit dem SC Paderborn den Bundesliga-Aufstieg feierte, wechselte ebenfalls für 150.000 Euro zu den Ostwestfalen. Auch der Abgang eines Defensiv-Juwels aus der eigenen Jugend droht. Der 19-jährige Marc-Oliver Kempf steht auf dem Sprung. Mit dem SC Freiburg und Red Bull Salzburg stehen interessierte Abnehmer für den Innenverteidiger bereit. „Ich gehe davon aus, dass er den Verein verlässt“, deutet Vorstandschef Heribert Bruchhagen den Abschied des Youngsters an, „Kempf ist mit seinem Status nicht glücklich. Trainer Schaaf hat seine Zusage gegeben und die Berater haben eine Vertragsverlängerung abgelehnt.

Immerhin konnten die Verantwortlichen in der Defensive für Ersatz sorgen. Mit Makoto Hasebe (ablösefrei/1. FC Nürnberg) und Alexander Ignjovski (ablösefrei/Werder Bremen) stopfte man zumindest preisgünstig die Lücken in der defensiven Mittelfeldzentrale. Ebenfalls aus Nürnberg kommt für eine Millionen Euro US-Boy Timothy Chandler, der Jung als Rechtsverteidiger ersetzen soll.

Weiter ist die SGE laut der italienischen Zeitung ‚La Repubblica‘ an Luis Pedro Cavanda von Lazio Rom interessiert. Allerdings ist der 23-Jährige ebenfalls nomineller Rechtsverteidiger, weshalb ein Transfer des Belgiers eher unwahrscheinlich scheint. Für die Zukunft verpflichtete Frankfurt den 18-jährigen Innenverteidiger David Kinsombi, der aus der A-Jugend von Rivale FSV Mainz 05 in die Bankenmetropole kommt. Ob diese Akteure die Abgänge auch qualitativ kompensieren können, bleibt abzuwarten.

Abschließend befindet sich derzeit mit Markus Krauss ein neuer Torhüter im Probetraining bei Trainer Thomas Schaaf. Der 26-Jährige ist aktuell vereinslos, nachdem sein Vertrag beim Drittligisten Stuttgarter Kickers im Sommer nicht verlängert wurde. Bei den Hessen könnte der in Rumänien geborene Keeper die neue Nummer drei hinter Kevin Trapp und Stellvertreter Felix Wiedwald werden.

Fazit

Nach aktuellem Stand steht Neu-Trainer Thomas Schaaf eine komplizierte Premierensaison in Frankfurt bevor. Die Mannschaft befindet sich im Umbruch. Das Grundgerüst der Aufstiegshelden ist weggebrochen. Der Ersatz lässt Qualität vermissen. Vor allem im Offensiv-Bereich muss dringend nachgerüstet werden. Der derzeitigen Qualität des Kaders nach zu urteilen, spielt die Eintracht in der kommenden Saison gegen den Abstieg.




Die Baustellen:

- beim FC Bayern München

- beim VfB Stuttgart

- beim 1. FSV Mainz 05

- beim Hamburger SV

- bei Hertha BSC

- bei Hannover 96

- beim 1. FC Köln

- beim FC Augsburg

- beim SC Freiburg

- bei Borussia Dortmund

- bei Bayer Leverkusen

- beim SV Werder Bremen

- beim SC Paderborn

- bei der TSG Hoffenheim

- bei Borussia Mönchengladbach

- beim VfL Wolfsburg

- beim FC Schalke 04